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Luchs 315

Gloria nach Adam Riese

Kinder- und Jugendbuchpreis

11. April 2013

Der monatliche Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Radio Bremen und Die Zeit geht im April 2013 an das Kinderbuch "Gloria nach Adam Riese". Luchs-Juror Karsten Binder stellt das Bilderbuch von Michael Stavaric mit den Illustrationen von Dorothee Schwab vor.

Buchcover [Quelle: Luftschacht]
Luftschacht Verlag, 19,90 Euro [Quelle: Luftschacht]

Was macht dieses Buch so besonders?

Es ist ein sehr abgefahrenes, wunderschön gemachtes, nahezu durchgedrehtes, dabei sehr intelligentes, richtig wildes Bilderbuch für Kinder.

Worum geht’s?

Es ist ein Bilderbuch. Zwei Kinder, zwei Geschwister, vielleicht sechs und sieben Jahre alt, nehmen ein Bad, ein Schaumbad. Die Kinder heißen Gloria und Adam Riese, und so erklärt sich dann auch der Titel "Gloria nach Adam Riese". Die Mutter lässt den beiden Wasser ein, der Schaum steigt höher und höher. Und sobald die Mutter endlich aus dem Raum ist, geht eine Abenteuerreise los. Die beiden entdecken in dem Schaum die verrücktesten, absonderlichsten Gestalten. Und Gloria zählt auf, was sie da so sieht. Es ist eine Aufzählung, die ganz langsam losgeht, aber dann immer wilder wird. Sie fängt bei 1 an und geht immer weiter. Zum Beispiel:
Fünfundzwanzig Tropfsteinmöhren.
Sechundzwanzig Tunnelröhren
Siebenundzwanzig Büschelmücken
Achtundzwanzig Kondorküken
Neunundzwanzig Satelliten
Dreißig Kilo Schokoschnitten
Und so weiter, und so weiter. Es reimt sich, es ist ein bischen verrückt, aber es ist eben das, was die Kinder so sehen, modellieren, fantasieren in dem Schaum. Das Ganze ist eine Enzyklopädie der Unmöglichkeiten, eine Aufzählung von Dingen, die es gibt, die es nicht gibt, die es vielleicht geben könnte. Eine verrückte Traumreise.

Klingt witzig, aber auch ein bischen irr.

Ja, das stimmt schon. Aber das Buch ist nicht nur verrückt. Es findet sich eine Menge an klassischer Bildung im Text versteckt. Picassos Pinsel taucht ebenso auf wie eine Erstausgabe Don Quichotte und kann halt beim Vorlesen den Kindern enträtselt werden. Und es macht einen Heidenspaß. Ich hab das meinen Kindern vorgelesen, die haben sich gekringelt vor Lachen. Es ist auf jeden Fall ein Vorlesebuch, es ist ein großes Fest der Sprache, im Grunde genommen, ein wunderbares Schaumbad in der Sprache. Man kann sich beim Zuhören und auch beim Vorlesen so richtig reinfallen lassen in das "Rudel Pudel", die "Rotte Otter", die "Schule Stiere, Tapire, coole" und so weiter. Und es wird dann noch mal doppelt komisch, wenn Papa oder Mama sich beim Vorlesen unweigerlich – es wird passieren – anfangen zu verhaspeln und Stolpern.

Wie sind die Bilder?

Toll. Das Buch ist von Dorothee Schwab ganz toll illustriert. Mit Collagen aus Stofffetzen, Zeitungsschnipseln, kleinen Zeichnungen, der Text mit einer alten Schreibmaschine geschrieben. Durch die wirklich gelungenen Illustrationen bekommt der Text gleichsam noch mal mehr Tiefe. Es gibt also für die Kinder beim Vorlesen viel zu sehen. Sie können also auch Abtauchen in ein Schaumbad der Bilder.

Das Gespräch:

Michael Stavaric [Quelle: Lukas Beck]
Michael Stavaric [Quelle: Lukas Beck]

Der Autor

Michael Stavaric wurde 1972 in Brno (Tschechien) geboren und lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Wien. Er erhielt zahlreich Stipendien und Auszeichnungen, 2012 zum Beispiel den Adalbert-Chamisso-Preis und den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Dorothee Schwab [Quelle: Schwab]
Dorothee Schwab [Quelle: Schwab]


Die Illustratorin

Dorothee Schwab, 1985 in Wien geboren, lebt als freie Illustratorin in Niederösterreich. Ihre Arbeiten wurden unter anderem mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis sowie dem Illustrationspreis der Stadt Wien und "The White Ravens" der Internationalen Jugendbibliothek ausgezeichnet.

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