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Luchs

An Großvaters Hand

Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs 272

17. September 2009

"Selten nur sind Kinderbücher mit solch grandioser Meisterschaft gezeichnet.“
Süddeutsche Zeitung

Das Buch

Der vielfach ausgezeichnete Chen Jianghong beugt sich zum ersten Mal  über die eigene Vergangenheit. Auf 80 großformatigen Seiten blättert er uns seine friedvolle Kindheit im Norden Chinas auf:

Buchcover [Quelle: Moritz Verlag]
Chen Jianghong: An Großvaters Hand, Moritz Verlag [Quelle: Moritz Verlag]

Die Eltern arbeiten. Die Großmutter kocht, näht und zieht Küken auf. Die große taubstumme Schwester bringt dem kleinen Chen Zeichnen bei. Doch der Wichtigste ist der Großvater.
Eines Tages ruft Mao, der große Führer, die Kulturrevolution aus. Propaganda und Gewalttaten sind die Folge. Erinnerungsstücke, Fotos, Bilder und Bücher müssen verbrannt werden. Die Roten Garden demütigen auf offener Straße Freunde.
Der Vater wird ins Umerziehungslager geschickt. Und mit acht Jahren wird Chen ein kleiner Rotgardist.

In einer beeindruckenden Mischung aus Bilderbuch und Graphic Novel zieht Chen Jianghong alle Register seines Könnens und führt ganz persönlich durch eine erschütternde Epoche der jüngsten Weltgeschichte.

Chen Jianghong trug das Projekt einer gezeichneten Autobiographie lange mit sich herum. Schulkinder, die neugierig auf seine Kindheit, auf China waren, haben ihn dann überzeugt, es in die Tat umzusetzen. Ohne zu werten, konfrontiert uns Chen Jianghong mit Unterdrückung und Indoktrinierung im China der kommunistischen Kulturrevolution.

Der Autor

Chen Jianghong [Quelle: Moritz Verlag]
Chen Jianghong, Foto: Moritz Verlag [Quelle: Moritz Verlag]

Chen Jianghong wurde 1963 in der chinesischen Hafenstadt Tianjin geboren. Er studierte Kunst in Tianjin und Beijing. Seit 1987 lebt er als freischaffender Künstler in Paris, wo er auch Bücher für Kinder veröffentlicht. Bei seinen Bilderbüchern verwendet er meist die traditionelle  chinesische Technik: Tusche auf Reispapier.
Seine Werke werden national und international ausgestellt. So zum Beispiel 2007 im Bilderbuchmuseum in Troisdorf. Diese Ausstellung ging bis Januar 2009 auf Wanderschaft nach Freising, Gengenbach, Berlin und Bad Pyrmont.
Für sein Buch "Han Gan und das Wunderpferd" wurd Chen Jianghong 2005 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Sein Buch "Der Tigerprinz" erhielt 2006 den Rattenfänger Literaturpreis und den Luchs.

Der Übersetzer

Tobias Scheffel [Quelle: Moritz  Verlag, M. Hinderer]
Tobias Scheffel, Foto: M. Hinderer [Quelle: Moritz Verlag, M. Hinderer]

Tobias Scheffel wurde 1964 in  Frankfurt am Main geboren. Er studierte Romanistik an den Universitäten von Tübingen, Tours (Frankreich) und Freiburg und hat seit 1992 zahlreiche Übersetzungen von Romanen, Essays sowie Kinder- und Jugendbüchern aus dem Französischen veröffentlicht, u.a. von  Robert Bober, Fred Vargas, Gustave Flaubert, Denis Grozdanovitch, Catherine Clément, Marie-Aude Murail und Anais Vaugelade. 2005 wurde er mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis ausgezeichnet, 2008 erhielt das von ihm übersetzte Jugendbuch "Simpel" von Marie-Aude Murail den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendjury.

Informationen zum Buch

Chen Jianghong:
An Großvaters Hand
Aus dem Französischen von Tobias Scheffel
Moritz Verlag, Frankfurt 2009
80 Seiten
24,80 Euro
ISBN 978-3-89565-210-3

Weitere Informationen:

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