Livestream

Bremen Zwei Rubriken Der Luchs

Luchs 398

Nach vorn, nach Süden

5. März 2020

Der Luchs-Preis für den Monat März geht an die Autorin Sarah Jäger für ihren Debütroman "Nach vorn, nach Süden", erschienen im Rowohlt Verlag und empfohlen für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren.

Cover: Sarah Jäger, Nach vorn, nach Süden, Rowohlt [Quelle: Rowohlt]
Sarah Jäger, Nach vorn, nach Süden, Rowohlt [Quelle: Rowohlt]

Luchs-Preis im März geht an "Nach vorn, nach Süden" [4:33 Minuten]

Treffpunkt Hinterhof

"Seinen Namen sucht man sich nicht aus, der wird einem gegeben, erst bei der Geburt, dann hier auf dem Hinterhof", meint Lena, genannt "Entenarsch". Mit dem Hinterhof ist der des Discounters Penny gemeint, auf dem sie sich mit ihren Freunden und Penny-Aushilfen Otto, Pavel, Vika, Marie, Marvin, Leroy und Can trifft, auch dann, wenn sie nicht arbeiten. Hier wird gegrillt, getrunken, es werden Schulabschlüsse gefeiert. Auch der 16-jährige Jo gehörte bis vor kurzem zur Clique, bis er nach der Trennung seiner Freundin abgehauen ist. Die Penny-Gang macht sich große Sorgen um ihn und Marie, Lena und Can machen sich in Lenas altem Opel Corsa auf die Suche nach ihm. Schlussendlich schließt sich fast die ganze Clique an und fährt gemeinsam auf ein Rockfestival, in der Hoffnung, ihn dort zu finden.

Urteil der Jury

Neben der guten und routinierten Darstellung eines On-the-Road-Formats liege die wahre Qualität des Buches in der Figurenzeichnung, in der Beschreibung eines Milieus, das in sich eben gerade nicht homogen ist, urteilt Hartmut El Kurdi in der "Zeit". "Figuren aus der unteren Mittel- und Unterschicht – je nach Betrachtungsweise – tauchen in den meisten deutschen Highbrow-Romanen entweder als bedauernswerte Langweiler oder als verzweifelte Opfer auf." Genau das tue Sarah Jäger nicht: "Lena und ihre Hinterhof-Buddys sind keine Opfer, sondern vielschichtige, aktiv handelnde Charaktere. Sie sind selbstbewusst und unsicher, schlagfertig und sprachlos, manchmal reflektiert und dann wieder ihren Gefühlen ausgeliefert."

Sarah Jäger [Quelle: Thorsten Simon]
Sarah Jäger [Quelle: Thorsten Simon]

Dabei werden die Unterschiede der Figuren nur thematisiert, wenn ihre Handlungen danach verlangen. Durch dieses Beiläufige "entwickelt der Roman seinen Witz und seine poetische Kraft, mit der Sarah Jäger dann aber doch dialektisch vom Wichtigen und Existenziellen erzählt. Vor allem aber lebt die Geschichte von der bezauberndsten Metapher, die je für eine Phase des Übergangs gefunden wurde: dem Penny-Hinterhof."

Die Luchs-Jury

Jeden Monat vergeben "Die Zeit" und Radio Bremen den Luchs-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Aus den zwölf Monatssiegern wird der Jahres-Luchs gewählt. Die Jury bilden Brigitte Jakobeit, Übersetzerin, Klaus Humann, ehemaliger Verleger des Carlsen und Aladin Verlags, Anja Robert, Redakteurin bei Radio Bremen, und Benno Hennig von Lange, Literaturhaus Frankfurt. Den Vorsitz hat Katrin Hörnlein, die bei der "Zeit" das Ressort Junge Leser und die Kinder- und Jugendliteratur verantwortet.

Die LUCHS-Jury empfiehlt außerdem:

  • Kinderbuch: "Helsin Apelsin und der Spinner" (Beltz & Gelberg Verlag), empfohlen ab acht Jahren,
  • Bilderbuch: "Julian ist eine Meerjungfrau" (Knesebeck Verlag), empfohlen ab vier Jahren,
  • Sachbuch: "Wölfe" (Gerstenberg Verlag), empfohlen ab sechs Jahren.

Buchinfos:
Sarah Jäger: Nach vorn, nach Süden, Rowohlt Verlag, 224 Seiten, 18 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. März 2020, 15:10 Uhr

Der Luchs