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Luchs 378

Ich und Jagger gegen den Rest der Welt

5. Juli 2018

Der Luchs-Buchpreis des Monats Juli geht an Frida Nilsson für ihren Kinderroman "Ich und Jagger gegen den Rest der Welt". Er ist im Gerstenberg Verlag erschienen und empfohlen für Kinder ab neun Jahren.

Cover: Ich und Jagger gegen den Rest der Welt [Quelle: Gerstenberg Verlag]
Frida Nilsson: Ich und Jagger gegen den Rest der Welt, Gerstenberg Verlag, 2018 [Quelle: Gerstenberg Verlag]

Frida Nilsson erzählt von Bengt, der wegen seines Übergewichts von den Nachbarskindern ausgeschlossen und gemobbt wird. Doch statt sich zu wehren und seine Trauer und Wut gegen diejenigen zu richten, die zuerst ausgeholt und verletzt haben, wandelt sich sein Ohnmachtsgefühl in Hass und Gewalt gegen ihn selbst. Zumindest bis er eines Tages auf Jagger trifft, einen sehr menschlichen, aber unansehnlichen Hund, der spricht, aufrecht geht und Kleidung trägt. Da auch Jagger in seinem Leben oft alleine ist, fühlt sich der Achtjährige sofort zu diesem verlumpten Tier hingezogen. Als dieser Bengts Geschichte hört, weiß er, was zu tun ist: sich wehren und Vergeltung üben. So beginnt Bengt, seine Peiniger zu bestrafen.

Frida Nilsson [Quelle: Gerstenberg Verlag, Mia Carlsson]

Eine Außenseitergeschichte

"Frida Nilsson hat nicht nur ein erstaunliches Talent dafür, kindliche Gedanken- und Gefühlswelten glaubhaft in Geschichten einzufangen. Sie hat auch den Mut, diese auf eine kompromisslose und streitbare Art zu erzählen. Man möchte Bengt beinahe anfeuern, als er sich endlich wehrt. Und steckt sofort mit in einem Dilemma. Wollen wir nicht immer eine friedliche Lösung finden? Bringen wir unseren Kindern nicht bei, Stopp zu sagen, statt zurückzuhauen?“, urteilt Jury-Vorsitzende Katrin Hörnlein in der ZEIT. "Nilsson ist einerseits ganz dicht dran an der Kinderwelt, den Emotionen, dem Im-Moment-Sein, ihrer Sprache und ihrer Denklogik“ und zugleich "ist es ein Kinderroman, der das scheinheilige Verhalten der Erwachsenen entlarvt: Eltern, die um ihre Kinder herumhelikoptern, ohne sie in ihren Bedürfnissen tatsächlich wahrzunehmen.“ Die Handlung "ist derart vielschichtig, dass sich (…) die Autorin die Frage gefallen lassen muss, ob sie damit ihre jungen Leser nicht arg überfordert."

Genauer Blick auf den Kinderalltag voller Hass und Gewalt

Das lustige Buchcover täuscht: Denn schon die ersten Seiten sind alles andere als lustig. Der achtjährige Bengt nennt sich selbst einen "Fetti“, ist einsam, verzweifelt und findet sich eklig. Und kann schon fast verstehen, dass die anderen Kinder in dem gutbürgerlichen Mietshaus in dem er wohnt, ihn täglich verspotten und quälen. Noch schlimmer als die Nachbarskinder sind allerdings Bengts Eltern. Sie sind nicht besonders streng oder fies, aber sie haben überhaupt kein Empfinden dafür, wie schlimm es um Bengt steht – ihnen ist nur wichtig, dass nach außen alles gut aussieht. Ihr einziger Wunsch ist, dass Bengt keine Probleme mehr macht und endlich mit den anderen Kindern spielt. Die sperren ihn stattdessen allerdings gleich am Anfang der Geschichte in einen kalten Keller ein – wo Bengt dann stundenlang auf dem Boden kauert und sich wünscht, er wäre tot.

Ein vielschichtiger Roman zwischen Realität und Phantasie

Jagger, der Hund, taucht auf etwas surreale Weise in diesem verschlossenen Kellerraum auf: struppig, mit rot unterlaufenen Augen, in einer alten Lederjacke, die Hinterfüße hat er statt in Schuhen mit Zeitungspapier umwickelt. Er wohnt auf einer Müllhalde in der Nähe und sucht im Keller nach Essbarem – ist also quasi ein Obdachlosen-Hund, mit dem Bengt sich tatsächlich anfreundet. Aber "Ich und Jagger“ ist eben keine Story, in der zwei Außenseiter sich gegenseitig Trost spenden und alles gut wird. Sondern Jagger stachelt Bengt an, sich an seinen Peinigern zu rächen.

Und auch wenn ihr Rachefeldzug Bengt und Jagger am Anfang verbindet, vergiften dann doch der Hass, die Wut und der Neid aufeinander auch ihre Freundschaft – bis Jagger eines Tages wieder aus Bengts Leben verschwindet. Ein bemerkenswert vielschichtiger und humorvoll geschriebener Roman von Frida Nilsson, der zwischen Realität und Phantasie ausbalanciert, freut sich Jury-Mitglied Anja Robert.

"Humorvoll und vielschichtig" [3:10 Minuten]

Buchinfos:
Frida Nilsson: „Ich und Jagger gegen den Rest der Welt“, Gerstenberg Verlag, 176 Seiten, 14,95 Euro

Radio Bremen stellt das Buch und die aktuelle Preisträgerin vor: am Donnerstag, 5. Juli 2018, um 11:10 Uhr auf Bremen Zwei und am Sonnabend, 7. Juli 2018, um 14:40 Uhr auf Cosmo.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 05. Juli 2018, 11:10 Uhr.

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