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Luchs 403

Hitze

von Victor Jestin

4. August 2020

Der Luchs-Preis August geht an den Autor Victor Jestin für seinen Debütroman "Hitze", übersetzt von Sina de Malafosse, erschienen beim Kein & Aber Verlag und empfohlen für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren.

Cover: Victor Jestin, Hitze , Kein & Aber [Quelle: Kein & Aber]
Victor Jestin, Hitze , Kein & Aber Verlag, 20 Euro [Quelle: Kein & Aber]

Victor Jestin erhält den Luchs für "Hitze" [5:01 Minuten]

Der 17-jährige Léonard verbringt mit seiner Familie einen zunächst ereignislosen Sommerurlaub auf einem großen Campingplatz an der französischen Atlantikküste. Die rauschenden Partys, das Geprahle und Gegrapsche der anderen Jugendlichen lassen Léonard kalt – wie überhaupt das Leben. Bis er beobachtet, wie ein anderer Junge sich nachts in den Seilen einer Kinderschaukel erdrosselt – und nichts unternimmt.

Léonard glaubt, nicht Zeuge eines Suizids zu sein, sondern Schuld am Tod des anderen zu haben. Er verscharrt die Leiche und taumelt die verbliebenen Urlaubstage wie im Fieberwahn durch die Bullenhitze. Während er permanent fürchtet, die Leiche könne entdeckt werden, stellt Léonard fest, dass sein Leben auf seltsame Weise intensiver ist als je zuvor.

Urteil der Jury

Victor Jestin [Quelle: Flammarion, Pascal Ito]
Autor Victor Jestin [Quelle: Flammarion, Pascal Ito]

"Das alles hat mitunter etwas beiläufig Morbides und funktioniert erzählerisch nur, weil der Autor nicht vordergründig moralisiert – obwohl am Schluss die Moral durch einen Akt erzählerischer Gerechtigkeit wiederhergestellt wird“, urteilt Hartmut El Kurdi in der "Zeit". "Auch die klare, sachliche, manchmal geradezu poetische Sprache unterstützt die Ambivalenz und hält die Geschichte in der Schwebe." In diesem Coming-of-Age-Roman leide man zwischendurch mit Léonard, "aber immer wieder ist man auch von seinem Weltekel und seiner Egozentrik abgestoßen. Verurteilen jedoch mag man ihn nicht." Denn letztendlich habe er nichts getan, was nicht alle täglich in den unterschiedlichsten Situationen tun, so El Kurdi: "Zusehen und nicht eingreifen."

Die Luchs-Jury

Jeden Monat vergeben "Die Zeit" und Radio Bremen den Luchs-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Aus den zwölf Monatssiegern wird der Jahres-Luchs gewählt. Die Jury bilden Brigitte Jakobeit, Übersetzerin, Anja Robert, Redakteurin bei Radio Bremen, Benno Hennig von Lange, Junges Literaturhaus Frankfurt, und Klaus Humann, ehemaliger Verleger des Carlsen und Aladin Verlags. Den Vorsitz hat Katrin Hörnlein, die bei der "Zeit" das Ressort Junge Leser und die Kinder- und Jugendliteratur verantwortet.

Die Luchs-Jury empfiehlt außerdem:

  • das Kinderbuch "Tru & Nelle" von G. Neri (Verlag Freies Geistesleben), empfohlen ab sechs Jahren
  • das Bildersachbuch "Sommerhaus am See" von Thomas Harding und Britta Teckentrup (Ill.) (Jacoby & Stuart Verlag), empfohlen ab acht Jahren
  • das Jugendbuch "Home Gir" von Alex Wheatle (Kunstmann Verlag), empfohlen ab 14 Jahren.

Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. August 2020, 15:10 Uhr

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