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"Tote Maus für Papas Leben"

Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs Nr. 262

20. November 2008

Ausschnitt aus dem Buchcover: Tote Maus für Papas Leben [Quelle: Bloomsbury Verlag]

Einfach nur dasitzen und abwarten, wenn man große Angst um jemanden hat - wer kann das schon? Kiki jedenfalls nicht. Ihr Vater ist Arzt und reist immer wieder in Länder, in denen Krieg herrscht. Aber was, wenn ihn diesmal eine verirrte Kugel trifft?

Zum Buch

Die Frage "Wie viele Millionäre kennst du?" soll ein Trost für die zehnjährige Kiki sein. Der Vater hat schon wieder seine Tasche gepackt, um als Arzt Menschen im Kriegsgebiet zu helfen. Auch am Telefon ist seine Auskunft sehr knapp. Irgendwann mal meldet er sich nicht mehr. Kiki hat Angst, es könne dem Vater etwas passieren. Nicht sehr wahrscheinlich, meinen alle anderen. So unwahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Kiki ist sich da nicht so sicher. Die Mutter versucht, Kiki zu beruhigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas geschieht, ist sehr gering.

Doch Kiki will dafür sorgen, dass sie noch geringer wird, und sie hat auch schon eine Idee: Wie viele Kinder gibt es, die einen toten Vater haben? Nicht so viele. Und wie viele Kinder haben einen toten Hund oder eine tote Maus? Das sind schon einige mehr. Aber wie viele Kinder haben einen toten Vater und einen toten Hund und eine tote Maus? "Kann ich eine Maus haben?", fragt Kiki ihre Mutter. Und sie bekommt auch eine Maus. Doch wie viel wert ist das Leben eines kleinen Tieres verglichen mit einem Menschenleben? Und kann dieser winzige Tod einen großen verhindern?

Behutsam schildert Marjolijn Hof Ängste und Sorgen eines Kindes, seine Schwierigkeiten das Vage zu formulieren. Sanft legt sie Gefühle einer 10jährigen offen, der die große Politik egal ist, und die sich einfach nur ein behagliches Familienleben mit beiden Eltern wünscht. Einfühlsam schildert die niederländische Autorin unbeholfene, naive Klassenkameraden, eine langsam hysterisch werdende Großmutter und eine Mutter, die nicht mehr die Kraft hat zu sagen, dass sicher alles gut werden wird. Und fast en passant und nebenbei, ohne jegliche moralische Wertung wirft Marjolijn Hof die Frage auf: Was muten Erwachsene, die sich für andere engagieren, ihren eigenen Kindern zu, die im Wohlstand und in scheinbarer Sicherheit leben?

Die Autorin

Marjolijn Hof wurde 1956 in Amsterdam geboren. Sie arbeitete lange Zeit als Bibliothekarin, bevor sie begann, selbst Bücher zu schreiben. "Tote Maus für Papas Leben" ist ihr erstes Jugendbuch. Marjolijn Hof erhielt für dieses Buch zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den "Goldenen Griffel" und die "Goldene Eule".

Die Übersetzerin

Meike Blatnik wurde 1974 geboren. Sie studierte Neuere deutsche Literatur und Philosophie in Berlin. Schon während des Studiums war sie freiberuflich als Journalistin tätig. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema Literaturkritik. Sie übersetzte aus dem Niederländischen Bücher von Lambert Fortuin, Jeroen van Haele, Fiona Rempt. Meike Blatnik lebt in Berlin.

Informationen zum Buch

Marjolijn Hof
"Tote Maus für Papas Leben"
Deutsch von Maike Blatnik
Bloomsbury Verlag, 9,90 Euro

Weitere Informationen:

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