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Kino-Tipp

Van Gogh

An der Schwelle zur Ewigkeit

18. April 2019

Es gab schon viele Filme über Vincent Van Gogh. Einige darunter waren sehr kunstvoll und ungewöhnlich. Nun hat der amerikanische Künstler und Filmregisseur Julian Schnabel einen neuen Film über den niederländischen Maler gedreht. Diesmal spielt der US-Schauspieler Willem Dafoe die Hauptrolle.

Es gab schon viele Filme über Vincent Van Gogh. Einige darunter waren sehr kunstvoll und ungewöhnlich. Nun hat der amerikanische Künstler und Filmregisseur Julian Schnabel einen neuen Film über den niederländischen Maler gedreht. Diesmal spielt der US-Schauspieler Willem Dafoe die Hauptrolle.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:53 Minuten
Datum: Donnerstag, 18. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Paris, 1888. Dem Maler Vincent Van Gogh aus dem holländischen Brabant gefällt es in der hektischen Großstadt überhaupt nicht. Besonders nicht im Winter. Der knochige, asketisch wirkende Mann ist fast mittellos, seine Bilder verkaufen sich nicht, und mit Malerkollegen streitet er sich nur. Sie verstehen seine Art, mit Farben, Licht und Bildstrukturen umzugehen, nicht. Der Freigeist Paul Gaugin macht da eine Ausnahme. Er kann zuhören.

Neue Heimat in Arles

Van Gogh gibt Paris auf und siedelt ins südfranzösische Arles um. Sein Bruder Theo, ein Kunsthändler, schickt ihm regelmäßig Geld. Hier in der Natur fühlt sich der Maler wohl. In den kommenden 16 Monaten, bis zu seinem Tod 1890, wird Van Gogh 187 Gemälde erschaffen. Er geht auf in seinen Bildern, verliert sich geradezu selbst.

Wenn ich die Natur betrachte, die vibrierende Energie aus der Gottes Stimme spricht, manchmal ist sie so stark, dass ich das Bewusstsein verliere.…Und nach einer Weile wache ich auf und weiß nicht mehr wo ich bin und was ich tue. Und dann brauche ein paar Minuten mich zu erinnern, wie mein Name ist.
Filmplakat: Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit [Quelle: DCM Film Distribution]
Kinocover zu "Van Gogh" [Quelle: DCM Film Distribution]

Großartig gespielt

Der amerikanische Schauspieler Willem Dafoe spielt diesen Getriebenen. Und er macht das großartig. Zwar ist er eigentlich zu alt für diese Rolle, Dafoe ist 63 und Van Gogh starb im Alter von 37 Jahren. Doch allein die Intensität seiner Darstellung macht dies vergessen. Wenn der Maler, vom Alkohol gekennzeichnet, von Selbstzweifeln zerfressen, sinniert, dann erzählt allein das Gesicht Willem Dafoes, seine Mimik mit den tiefen Augen und den Furchen auf den Wangen von den tiefsitzenden Ängsten Van Goghs. Weil fast niemand seine Kunst versteht oder gar würdigt. Der Maler landet mehrmals in einer Nervenheilanstalt.

Von Zeit zu Zeit habe ich das Gefühl, dass ich meinen Verstand verliere… Sie sagen, dass ich herumschreie in den Straßen und weine. Nur, ich kann mich überhaupt nicht erinnern...

Zu viel Technik-Getrickse

Der amerikanische Regisseur Julian Schnabel, selbst bildender Künstler, macht es dem Kino-Publikum allerdings nicht leicht. Die sehr oft mit einer Handkamera gefilmten Bilder stellen häufig Naturaufnahmen den gemalten Werken seines Protagonisten gegenüber. So weit so gut. Nur, im Bemühen, die Gemütslage Van Goghs, besonders seine Furcht vor dem Versagen, in Bilder zu fassen, schießt Regisseur Schnabel mit seinen Wackelaufnahmen und den gewollten Unschärfen über das Ziel hinaus. Ja, er nimmt mit diesem Technik-Getrickse auf der Kinoleinwand dem brillanten Hauptdarsteller Willem Dafoe einen Teil seiner Wirkung.

Fazit

Dennoch: Der Film "Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit" ist ein eindringlicher, sehenswerter Film voll starker Gefühle. Er bringt er uns einen spannenden, zu Lebzeiten unverstandenen Künstler nahe, der gegen Ende seines kurzen Lebens glaubte, mit seiner Sicht auf die Dinge gescheitert zu sein.

Ich hab´ gedacht, ein Künstler müsse anderen beibringen wie man die Welt zu sehen hat. Aber das glaube ich nicht mehr. Jetzt denke ich nur noch über meine Beziehung zur Ewigkeit nach.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18. April 2019, 14:10 Uhr.

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