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Kino-Tipp

Und der Zukunft zugewandt

5. September 2019

Einen weitgehend unbekannten Aspekt von Schikane gegenüber DDR-Bürgern des SED-Regimes zeigt der neue Film von Regisseur Bernd Böhlich, der selbst in Ostdeutschland aufwuchs. Bei ihm geht es um den systemkonformen Umgang mit der individuellen Geschichte von Menschen und dem Begriff "Wahrheit". Jürgen Francke stellt den Film vor.

Einen weitgehend unbekannten Aspekt von Schikane gegenüber DDR-Bürgern des SED-Regimes zeigt der neue Film von Regisseur Bernd Böhlich, der selbst in Ostdeutschland aufwuchs. Bei ihm geht es um den systemkonformen Umgang mit der individuellen Geschichte von Menschen und dem Begriff "Wahrheit". Jürgen Francke stellt den Film vor.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:48 Minuten
Datum: Donnerstag, 5. September 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Zum Stillschweigen verpflichtet

Die drei Frauen, die im Jahr 1952 nach einer langen beschwerlichen Reise aus einem sibirischen Arbeitslager in der DDR angekommen sind, trauen ihren eigenen Ohren nicht. Jahrelang hatten sie, alle überzeugte Kommunisten, unter unmenschlichen Bedingungen im Gulag schuften müssen. Sie galten in der Sowjetunion unter Diktator Stalin als Spione. Und nun hält ihnen ein SED-Funktionär ein Blatt Papier unter die Nase, das sie unterschreiben sollen.

Die Frauen sind konsterniert. In den 1930er Jahren hatten sie das Deutsche Reich verlassen um in Moskau zu leben. Und nun, zurück auf deutschem Boden, und endlich in einer gerechten, sozialistischen Gesellschaft wie sie glauben, nun sollen sie den Mund halten.

Hoffnung auf ein besseres Leben

"Und der Zukunft zugewandt", der Titel des Films von Regisseur Bernd Böhlich, ist gut gewählt. Drückt er doch aus, was die Hauptfigur Antonia, gespielt von Alexandra Maria Lara, von ganzem Herzen fühlt. Sie glaubt fest daran, dass nach dem Tod Stalins eine bessere Welt in der DDR möglich sei. Und damit das Aussprechen von Wahrheiten.

Dem verordneten Schweigen zum Trotz bleibt Antonia vom Aufbau des Sozialismus überzeugt. Auch wenn sie nicht versteht, warum das SED-Regime die Verbrechen des sowjetischen Brudervolkes unter den Tisch kehrt. Wenn Funktionäre ihre Kinder-Theateraufführung als nicht revolutionär genug niedermachen, sie nimmt es stoisch hin. Selbst als ihr Freund, ein Arzt, der 1949 aus ideologischen Gründen aus dem Westen zugezogen ist, wieder zurück nach Hamburg will, weil er die Bigotterie nicht aushält, da bleibt Antonia hart.

Kein Politthriller

"Wahrheit ist das, was nützt" tönt es an einer Stelle aus dem Mund eines SED-Parteisekretärs. Soll heißen: Was nicht sein darf, das ist auch nicht. Eigentlich sollte dieses im Film ständig präsente Credo für Drehbuchautor und Regisseur Böhlich Anlass genug sein, die psychologischen Auswirkungen und die daraus resultierende Dramatik zu inszenieren. Doch ein Politthriller ist "Und der Zukunft zugewandt" nicht geworden. Eher ein solides, aber konventionelles Fernsehspiel um Befindlichkeiten.

Der Film erhellt ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte. Und damit das weitgehend unbekannte Schicksal unzähliger Menschen, für die Wahrheit die Basis für ein gerechtes Zusammenleben bedeutet.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. September 2019, 12:10 Uhr

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