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Porträt und Film-Tipp

Daniel Radcliffe in "Guns Akimbo"

Mit Bademantel und Tigerpantoffeln

25. Juni 2020

Auf die transfeindlichen Tweets von Autorin Joanne K. Rowling reagierte Daniel Radcliffe mit deutlicher Kritik in einem Blogbeitrag. Es ist selten, dass Radcliffe sich zu Wort meldet, umso bedeutender ist sein Statement. Und Daniel Radcliffe ist wieder im Kino zu sehen, in "Guns Akimbo". Anna Wollner stellt den Film vor und hat den Schauspieler zum Interview getroffen.

Als die Autorin Joanne K Rowling vor ein paar Wochen mit ihren transfeindlichen Tweets aufgefallen ist, hat Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe sich klar von ihr distanziert. Transgenderfrauen seien Frauen schrieb er und bat um Entschuldigung. Es ist selten, dass Radcliffe sich zu Wort meldet, umso bedeutender ist das Statement.

Autor/-in: Anna Wollner
Länge: 4:25 Minuten
Datum: Donnerstag, 25. Juni 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Erfolg und Ruhm

Als Harry-Potter-Darsteller wurde er über Nacht berühmt. 2001 übernahm der damals elfjährige Daniel Radcliffe in der Harry-Potter-Verfilmung die Hauptrolle des berühmten Zauberschülers. Zehn Jahre seines verbringt er fortan mit der Filmreihe und wird vor aller Augen groß. Er kämpft nicht nur den Kampf gegen Lord Voldemort, sondern auch den Kampf gegen die Dämonen des frühen Ruhms. Einen Kampf, den er relativ unbeschadet überstanden hat.

Ich hatte einfach Glück. Mein Umfeld hat früh auf mich aufgepasst. Das Harry-Potter-Set und die Harry-Potter-Welt waren für ein Kind ein sicherer Ort. Ich habe zum Ruhm eine ganz gesunde Einstellung... Wenn der Ruhm oder das Star-Sein Teil deiner Identität wird, dann hast du ein ernst zu nehmendes Problem. Denn dieser Zustand ist temporär und wird nicht dein ganzes Leben lang halten.

Daniel Radcliffe

Faible für Nischenfilme

Der 30-jährige Radcliffe weiß um seinen Ruhm und seine Starpower und geht gelassen damit um. Nach Abschluss der Zauberersaga hat er keinen großen Film angenommen. Er hat in zwei Stücken am Broadway gespielt, für das eine, "Equus", stand er sogar nackt auf der Bühne. Seine Filmauswahl ist auffällig nischig. Horrorfilme wie "Die Frau in Schwarz", sein erster Post-Potterfilm, "Horns, Swiss Army Man“ – ein Film in dem er 97 Minuten lang eine pupsende Leiche spielt und von Paul Dano über eine Insel getragen wird, oder jetzt "Guns Akimbo": Radcliffe weiß, dass er den Großteil seiner Harry-Potter-Fans damit schockieren wird, aber das sei nicht seine Absicht, sagt er.

Fast jeder vermutet, dass ich mich mit jedem meiner Filme von Harry Potter abgrenzen will und dass es ein Kommentar auf meine eigene Karriere ist. Aber das ist Quatsch. Ich will ja gar nicht, dass die Leute vergessen, dass ich Harry Potter gespielt habe. Das ist ein wichtiger und großer Teil meines Lebens.

Daniel Radcliffe

"Guns Akimbo"

Der britische Schauspieler verdankt Harry Potter viel. Nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch das finanzielle Polster, das ihm ermöglicht, sich jetzt auf die Filme zu konzentrieren, die er wirklich machen will. "Guns Akimbo" ist ein durchgeknallter Film voller Action. Radcliffe spielt Miles, einen frustrierten Programmierer, der zuhause die meiste Zeit vorm Laptop sitzt und Leute in sozialen Netzwerken belästigt – bis er von einer gnadenlosen Organisation gezwungen wird, an einem modernen Gladiatorenkampf teilzunehmen. An jede Hand wird ihm eine automatische Waffe geschraubt, in Bademantel, Boxershorts und Tiger-Hausschuhen wird er vor die Tür geschickt. Wenn er überleben will, muss er selbst töten.

Brutal und provokant

"Guns Akimbo" ist ultrabrutal, schnell, Comic-haft, überstilisiert mit einer Ego-Shooter-Ästhetik. Der Film will ganz bewusst provozieren und reiht sich gerade deshalb nahtlos ein in die Post-Potter-Filmauswahl von Radcliffe.

Ich vergesse selbst immer, dass ich wohl ein Händchen dafür habe, durchgeknallte Genrefilme anzunehmen. … Es macht Spaß, einen Film zu drehen, der eben keinen realistischen Touch hat. Solange es dramaturgisch begründet ist und aufgeht, kann man die verrücktesten Sachen machen.

Daniel Radcliffe

Daniel Radcliffe bleibt sich und seiner unkonventionellen, nicht auf Mainstream-Filme ausgelegten Rollenwahl treu. Und hat nach der Erfahrung von "Guns Akimbo" und dem ungewöhnlichen Kostüm seiner Rolle einen neuen Vorsatz.

Ab jetzt würde ich am liebsten jeden Film in Boxershorts und Hausschuhen drehen. Damit wäre ich sehr glücklich.

Daniel Radcliffe

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. Juni 2020, 12:10 Uhr

Kino-Premieren