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Kino-Tipp

Parasite

30. September 2019

Filme aus Südkorea haben oft etwas Skurriles, Unheilvolles an sich. Oft verschwimmen in diesen Filmen die Realitätsebenen, so dass die Wahrheit im Kontext der Handlung immer im Ungefähren bleibt. Das ist dann sehr kunstvoll fotografiert, darauf legen besonders die jungen koreanischen Regisseur*innen großen Wert. Auch "Parasite" weist kunstvolle Symboliken auf. Jürgen Francke stellt ihn vor.

Neue Filme aus Südkorea haben oft etwas Skurriles, Unheilvolles an sich. Oft verschwimmen in diesen Filmen die Realitätsebenen, so dass die Wahrheit im Kontext der Handlung immer im Ungefähren bleibt. Das ist dann sehr kunstvoll fotografiert, darauf legen besonders die jungen koreanischen Regisseure großen Wert. Auch "Parasite", ein neuer Film aus Korea, weist kunstvolle Symboliken auf.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:38 Minuten
Datum: Donnerstag, 17. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Unterschiedlicher könnten die beiden koreanischen Familien Park und Kim nicht sein. Die neureichen Parks wohnen in einer überdimensionierten Designer-Villa oben auf einem Hügel mit Aussicht auf die darunterliegende Hauptstadt Seoul. Vater Park ist gutverdienender Geschäftsmann. Seine ihm ergebene Frau kümmert sich um die beiden Kinder und um Modemagazine. Den Rest erledigt eine Haushälterin. Die ebenfalls vierköpfige Familie Kim haust in einer verdreckten Souterrain-Wohnung am unteren Ende der Stadt. Es ist ein prekäres Leben.

Die Kims breiten sich aus

Auch wenn der Film "Parasite", die Kims als eine arme, schlecht ernährte Familie aus der koreanischen Unterklasse darstellt: Unglücklich sind sie nicht. Und dumm schon gar nicht. Als der Sohn, mehr durch Zufall, die Gelegenheit erhält, der pubertierenden Tochter der reichen Parks Englisch-Nachhilfeunterricht zu erteilen, sagt er sofort zu. Seine Schwester fälscht für ihn ein Uni-Abschluss-Diplom, und wenig später hat er den Job. Aber damit nicht genug: Für den verwöhnten Sohn der Parks, von dem seine Mutter glaubt, er hätte das Talent zum Maler, vermittelt der Kim-Sohn seine eigene Schwester als Kunstpädagogin. Allerdings unter falschem Namen.

Es liegt was in der Luft

Durch die Kamerafahrten durch das riesige Haus, die immer etwas ambivalenten Bildperspektiven und Schnitte entsteht eine dauerhafte unheilvolle Stimmung. Als Sohn und Tochter Kim die Haushälterin und den Fahrer der Parks hinterhältig und anonym denunzieren, nur um später die eigene Mutter und Vater Kim als deren Ersatz in die Villa zu holen, da scheint die verhängnisvolle Heimsuchung perfekt. Aber Regisseur Bon Joon-ho hat noch spannende Komplikationen im Drehbuch-Köcher. Zum Beispiel den feinen Geruchssinn des jungen Park-Sohns. Der erkennt sofort die unangenehme Duftnote aus der Kellerwohnung der Kims. Sie riechen alle genau gleich.

Standesdünkel

Es ist nur einer von vielen, mal offenen, dann wieder versteckten Hinweisen auf die unterschiedliche Klassenherkunft der Protagonisten. Der Standesdünkel vom "Wir hier oben, ihr da unten" in "Parasite" wird auf vielfältigen Ebenen sichtbar. Die Wendungen der Handlung werden zunehmend grotesker, und das macht diesen Film zu einem Meisterbeispiel des Doppelsinnigen und Mehrdeutigen im zeitgenössischen koreanischen Kino.

Sehenswert

"Parasite" ist ein detailreicher, unterhaltsamer, verstörender, auch sozialkritischer – und ganz zum Ende erschreckender Film. Und darum: Bloß nicht verpassen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Oktober 2019, 10:40 Uhr

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