Livestream

Bremen Zwei Rubriken Kino-Premieren

Kino-Tipp

Narziss und Goldmund

12. März 2020

Der Roman "Narziss und Goldmund", erschienen 1930, ist neben "Steppenwolf" und "Das Glasperlenspiel" eines der bekanntesten Bücher von Hermann Hesse. Die Literaturkritiker waren uneins. Die einen verurteilten den Roman als romantisch verklärt, die anderen lobten das Buch wegen seiner Poesie. Jetzt, 90 Jahre nach Erscheinen, kommt die allererste Verfilmung des Romans in die Kinos. Jürgen Francke stellt "Narziss und Goldmund" vor.

Ein Film nach der Erzählung von Hermann Hesse. Es geht um die Geschichte von zwei ganz unterschiedlichen Männern, die sich gegen Ende des Mittelalters als Jungen in einem Kloster kennenlernen.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:45 Minuten
Datum: Donnerstag, 12. März 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Im Kloster

Das Kloster Mariabrunn im Mittelalter, eine Art Trutzburg mit einer dunklen, zugigen Kapelle, karg eingerichtet mit ein paar Bänken. Das ist die Umgebung, in der sich der kleine Goldmund nun zurecht finden muss. Sein Vater hat ihn verstoßen. Im Kloster lernt der Junge den etwas älteren Klosterschüler Narziss kennen.

Der Film springt ein paar Jahre in die Zukunft: Die jugendlichen Narziss und Goldmund sind zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Während Narziss kontemplativ nach den Regeln des Ordens lebt, interessiert sich Goldmund für die Welt "da draußen". Er lernt lesen und schreiben, ist musisch und künstlerisch interessiert und trifft sich heimlich mit Frauen in den Dörfern der Umgebung. Jahre später, die beiden Freunde sind erwachsen, steht für den Abt fest: Dieser Goldmund muss das Kloster verlassen.

Goldmund und seine Erfahrungen

Er verdingt sich zunächst bei einem Burgherrn als Schreiber, beginnt Liebesverhältnisse mit dessen Töchtern und wird dartaufhin schwer misshandelt und sofort entlassen. Das Geschehen konzentriert sich von nun ab fast völlig auf Goldmund und seine Erfahrungen mit erotischen Abenteuern, mit Gewalt und Tod.

Der Film orientiert sich recht nah an der literarischen Vorlage Hermann Hesses, einem Bildungsroman. Goldmund wandert durch Landschaften, er lernt bei einem Bildhauer das Figurenschnitzen, eine Kunst, die ihm bei der Verarbeitung seiner Erlebnisse hilft. Eine ganze Menge Orte und Menschen, oft im Schnelldurchgang, die uns Regisseur Stefan Ruzowitzky da zumutet. Und natürlich findet Goldmund, inzwischen nach vielen Misshandlungen einäugig und verkrüppelt, auch noch die Frau seines Lebens.

Pathetisches Drama

Ja, der Film "Narziss und Goldmund" ist so pathetisch, wie sich manche Dialoge anhören. Jannis Niewöhners breiter Berliner Akzent in seiner Rolle als Goldmund macht das nicht besser. Narziss, weit weniger expressiv gespielt von Sabin Tambrea, versucht derweil in eingestreuten Vorblenden nach Leibeskräften, seinem homoerotischen Verlangen nach Goldmund keine konkreten Taten folgen zu lassen. Also geißelt sich der Gottesfürchtige, untermalt von schwülstiger Musik.

Was für ein Kinopublikum des Jahres 2020 könnte diese mit Patina überzogene Leinwandduselei überhaupt interessieren? Eine Antwort darauf ist nicht leicht zu finden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. März 2020, 12:40 Uhr

Kino-Premieren