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Kino-Tipp

Little Joe

Glück ist ein Geschäft

9. Januar 2020

In dieser Dystopie geht es um eine genmanipulierte Pflanze. Sie soll eigentlich glücklich machen – doch dann entwickeln die Blumen ein Eigenleben. "Little Joe" ist der erste englischsprachige Film der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner.

Eine Dystopie um die Beherrschbarkeit der Natur durch den Menschen.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:23 Minuten
Datum: Donnerstag, 9. Januar 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Alice, allein erziehende Mutter um die dreißig, arbeitet in einem biotechnologischem Unternehmen als Pflanzenzüchterin. Mit ihren Kollegen hat sie eine ganz besondere, genmanipulierte Blume entwickelt. Deren Blüte verströmt einen Duft, der glücklich macht.

Um diese glücklich machende Blume unter Kontrolle zu halten – so jedenfalls der Plan – haben die Wissenschaftler sie steril gezüchtet. Damit kann sich die Pflanze nicht selbst vermehren.

Dezente Horror-Elemente

Alice ist überzeugt, dass alle Menschen diese neue Lebensform lieben werden. Heimlich nimmt sie ein Exemplar mit nach Hause für ihren Sohn Joe, der häufig allein ist. Sie nennen die Pflanze "Little Joe".

Szene aus dem Film "Little Joe - Glück ist ein Geschäft". [Quelle: The Bureau, Essential Films]
Szene aus "Little Joe – Glück ist ein Geschäft" [Quelle: The Bureau, Essential Films]

"Little Joe", das ist auch der Titel dieses mit dezenten Elementen des Horror- und Science Fiction-Genres inszenierten Films der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner. Tausende von akribisch aufgereihten Pflanzenkeimlingen mit ihren nackten Stängeln und den rot leuchtenden Blüten wachsen schnell auf etwa 40 Zentimeter Höhe und stoßen bald weiße Pollenwolken aus.

Ein beunruhigender Umstand. Denn offensichtlich ist das Einatmen dieser Substanzen gefährlich. Zunächst erwischt es einen Hund, der sich merkwürdig verhält. Und nachdem Alices Sohn Joe an der Blume gerochen hat, glaubt die Mutter fest daran, er sei nun infiziert. Und zwar mit einem Stoff, der die Menschen scheinbar nur an das Wohl der Pflanze denken lässt.

Mit kühler Ästhetik

Die Atmosphäre in diesem Film ist durchgängig kühl. In den Laboren, bei Alice zuhause und im Umgang der Protagonisten miteinander. Das schlägt sich auch in den Dialogen nieder. Sie wirken oft steif und gekünstelt. Dazu kommt ein beunruhigender Soundtrack des japanischen Komponisten Teiji Ito.

Je mehr Personen an den Blumen riechen, desto mehr macht ihr Verhalten klar: Diese künstliche Pflanzenzucht "Little Joe" wehrt sich. Wenn sie sich schon nicht fortpflanzen kann, dann manipuliert sie eben die Menschen in ihrem Sinne. Und die merken es nicht einmal.

Schuld und Sühne in der Gentechnik: Beim Konflikt von Mensch, Technik und Natur hat ein unumkehrbarer Prozess eingesetzt, ganz nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir. Das ist ein verstörender Gedanke. Und ein hochaktuelles Thema obendrein. Bei aller Sperrigkeit von "Little Joe": Die Kinokarte ist er wert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Januar 2020, 10:40 Uhr

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