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Kino-Tipp

"Beale Street" hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit

7. März 2019

Der Film "Beale Streat" basiert auf der Romanvorlage des Schriftstellers James Baldwin von 1974. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Liebe, die vom systematischen Rassismus in Amerika auf eine schwere Probe gestellt wird.

Der Film basiert auf der Romanvorlage des Schriftstellers James Baldwin von 1974. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Liebe, die vom systematischen Rassismus in Amerika auf eine harte Probe gestellt wird.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:32 Minuten
Datum: Donnerstag, 7. März 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Das afroamerikanische Liebespaar Fonny und Tish lebt im New York der frühen 1970er Jahre. Der ambitionierte Bildhauer ist 22, die Verkaufsangestellte erst 19. Das Paar kennt sich seit der Kindheit, nun ist daraus eine romantische Beziehung geworden. Eine mit Folgen. Denn das Paar erwartet ein Kind.

Zu Unrecht im Gefängnis

Fonny sitzt zu Unrecht in Untersuchungshaft. Er soll eine Frau vergewaltigt haben. Ein offensichtlich rassistischer Polizeibeamter hat die Anschuldigung konstruiert. Mit äußerst fadenscheinigen Begründungen.

Es ist unmöglich, von der Orchard zur Bank Street zu laufen, schon gar nicht, wenn die Polizei hinter dir her ist. ... Dennoch muss der Beschuldigte jetzt nachweisen und für diesen Nachweis bezahlen, dass der behauptete Tathergang fehlerhaft und unwahrscheinlich ist.

(Aus dem Film)

Überlebenswillen und Rassismus

"Beale Street" vom oscar-prämierten Drehbuchautor und Regisseur Barry Jenkins ist alles andere als ein Kriminalfilm. Die Geschichte nach einer Romanvorlage von James Baldwin ist eher eine filmische Abhandlung. Über die Kraft der Liebe und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung: Und damit über den Überlebenswillen in Zeiten eines aggressiven Rassismus in den USA. Im Gefängnis landeten Afro-Amerikaner auf bloße Vermutungen hin.

Intensive Filmbilder

Der Film erzählt seine Geschichte oft in Rückblenden. In der Jetzt-Zeit ist Fonny inhaftiert, während die schwangere Tish mithilfe ihrer Familie und eines jungen, weißen Anwalts um Fonnys Freilassung kämpft. Beim Blick zurück sind lange Einstellungen und bedächtige Kameraschwenks dominierendes Stilelement. So werden besonders die Blickkontakte der Protagonisten, oft in Großaufnahme intensiv. Da wird jede Äußerung zum politischen Statement wider die Unterdrückung von Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Im Knast habe ich verstanden, was Malcolm X und die anderen meinten… der weiße Mann muss der Teufel sein. Denn er ist kein Mensch.

(Aus dem Film)

Fazit

Der ruhig gehaltene Film vermeidet Demagogien oder radikale Widerstandstheorien. Er beschreibt nachvollziehbar ein Klima der Hoffnungslosigkeit und der Ohnmacht. Diese Atmosphäre kriecht allmählich auch in die Sitzreihen im Kino. Ohne dass Regisseur Jenkins in "Beale Street" auf reißerische Szenen baut. Es ist ein ungewöhnliches Gefühl fürs Publikum. Man sollte sich ihm aussetzen. Es lohnt sich.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. März 2019, 12:40 Uhr

Kino-Premieren