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Kino-Tipp

Porträt einer jungen Frau in Flammen

30. Oktober 2019

Ein Film wie ein Kammerspiel. In Céline Sciammas Historienfilm mit großartigen Bildern geht es um Blicke, und zwar sehr intensive Blicke. Wer da wen anblickt, erklärt Jürgen Francke, der den Film vorstellt.

In Céline Sciammas Historienfilm geht es um Blicke, und zwar sehr intensive. Wer da wen anblickt, erklärt Jürgen Francke, der den Film vorstellt.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:39 Minuten
Datum: Mittwoch, 30. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Ende des 18. Jahrhunderts auf einer Insel vor der Bretagne. Die junge Malerin Marianne ist von einer Gräfin gerufen worden um ihre Tochter Héloise zu porträtieren, die gerade aus einer Klosterschule gekommen ist.

Es wird noch eine Weile dauern, bis Marianne – und damit das Kinopublikum – die blonde Héloise zu Gesicht bekommt. Die Malerin soll so tun, als sei sie die Gesellschafterin von Héloise, die bislang das Haus nicht verlassen durfte. Aus Sorge, sie könnte sich Ähnliches antun wie ihre Schwester. Die hatte sich offensichtlich in den schroffen Klippen das Leben genommen. Die Schwester sollte nämlich mit eben diesem Mann aus Mailand verheiratet werden. Und nun hat man ihm Héloise versprochen. Die Gräfin ist sehr bestimmt.

Begegnung der Blicke

Als sie und Héloise ihren ersten Spaziergang an der Atlantikküste unternehmen, und es werden viele weitere folgen, da ist es eine Begegnung der Blicke. Keine freundlichen zunächst, denn Héloises blaue Augen schauen zornig. Marianne mustert ihr Gegenüber mit ernster Miene. Und diese Blicke entwickeln sich. Als die Gräfin für ein paar Tage auf das Festland fährt, nähern sich die beiden jungen Frauen an. Regisseurin Céline Sciamma komponiert auch ihre Filmbilder wie Gemälde. Vor dem Hintergrund vom Kaminfeuer im nicht gerade opulenten Herrschaftshaus – oder von Kerzenlicht beschienen in kargen Räumen – beginnt Marianne erst heimlich, später in Gegenwart von Héloise, sie professionell zu malen.

Und schon ist mehr als deutlich: Dies ist keine Geschichte nur über das Abbilden einer Frau. Hier geht es um das Erwachen großer Gefühle. Und um das Aussprechen von Wahrheiten zwischen zwei Frauen.

"In Flammen"

Der Filmtitel "Porträt einer jungen Frau in Flammen" geht auf ein Gemälde zurück, das Marianne als Erinnerung an einen Vorfall an einem Lagerfeuer bei einem Dorffest hergestellt hat. Und natürlich ist der Titel auch symbolisch gemeint. Denn Héloise, intensiv und sinnlich verkörpert von Adéle Haenel, steht gewissermaßen in Flammen. Mariannes emotionales Feuer ist ebenfalls entfacht.

Auch wenn Männer in diesem Film allenfalls am Rande vorkommen, so sind patriarchalische Denkmuster immer präsent. Denn von der Selbstbestimmung einer Frau kann auch auf einer kleinen bretonischen Insel nicht die Rede sein. Hinweise auf die katholische Kirche, auf verbotene Abtreibung oder das arrangierte Eheversprechen, sie schwingen immer mit.

Fazit

Dieser emotional dichte Liebesfilm kann nicht in einer Katharsis enden. Aber es sollte niemanden davon abhalten, genau zwei Stunden im Kino zu verbringen. Es lohnt sich.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. Oktober 2019, 12:40 Uhr

Kino-Premieren