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Kino-Tipp

Judy

2. Januar 2020

Sie hatte ihre beste Zeit bereits Ende der 1930er Jahre als Jugendliche. Schon früh geriet die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Judy Garland allerdings in Kontakt mit Schlaf- und Aufputschmitteln, die ihr ihre Mutter und Filmproduzenten zwangsweise verabreichten. Die Geschundene – unter ständigem Geldmangel leidende – Judy konnte in den 1950ern noch einmal Komödien- und Musicalerfolge feiern. Aber in den 60ern war Garlands Ruhm verblasst. Genau in dieser Zeit, als die Diva bereits am Boden war, spielt der Film "Judy". Jürgen Francke stellt ihn vor.

Mit 17 wurde sie weltberühmt mit ihrer Rolle im "Zauberer von Oz", mit 47 stirbt sie an einer Überdosis Schlafmittel. Der Film zeigt die Schauspielerin Judy Garland in den letzten Monaten vor ihrem Tod, als ihre Karriere steil bergab ging.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:47 Minuten
Datum: Donnerstag, 2. Januar 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Völlig derangiert und hundemüde steht Judy Garland mit ihren beiden jüngeren Kindern nachts in ihrem Lieblings-Fünf-Sterne-Hotel in Los Angeles an der Rezeption. Doch ihre Suite wurde freigegeben, weil ihr Konto überzogen war. Der ehemalige Hollywood-Star, die Schauspielerin und Sängerin Judy Garland, ist Ende der 1960er Jahre am Tiefpunkt. Alkohol und Tabletten haben die Entertainerin, die übrigens auch die Mutter von Liza Minelli ist, in den Ruin getrieben. Da kommt ein Angebot des Nachtklubs "Talk of the Town" in der britischen Hauptstadt eigentlich gerade recht.

In London

Aber das Vorhaben ist riskant. Hat Garlands Stimme noch die Kraft, hat sie überhaupt noch die Energie und den Willen, wochenlang Teil einer professionellen Bühnenshow zu sein? Zunächst ja. Trotz Riesen-Verspätung und großem Lampenfieber verzaubert Judy ihr Publikum noch einmal bei der Londoner Premiere. Mit dem Titel "Somewhere over the rainbow" war Judy Garland 1939 als 17-jährige im Film "Der Zauberer von Oz" berühmt geworden.

Renee Zellwegger als Diva

Die amerikanische Schauspielerin Renee Zellwegger singt und verkörpert in "Judy" die überaus launische Garland. Und zwar durch und durch. Mit ihrem Augen- und Lippenspiel und linkischen Bewegungen gelingt es Zellwegger mit Verve, das seelische und körperliche Wrack Garland darzustellen, als wäre sie die Diva selbst. Zusammen mit ihren Gesangseinlagen ist die Leinwand-Illusion perfekt. In Momenten größter Panik, vollgedröhnt mit Psychopharmaka und Gin, wenn Garland sich nicht auf die Bühne traut, glaubt man im Kinosessel, die echte Judy vor sich zu haben.

Große Ängste

Der Film beschreibt zwar in stetigen Rückblenden die Kindheit Judy Garlands, die brutale Einhaltung ihrer Diät, die Zwangseinnahme von Appetitzüglern und das drakonische Regime der Filmproduzenten. Aber diese Hinweise auf Garlands lebenslange Fremdbestimmtheit wirken stilisiert und setzen darüber hinaus viel Filmwissen voraus. Ansonsten konzentriert sich der nicht gerade virtuos inszenierte Film "Judy" ganz auf Garlands Zeit in London und auf ihre größten Ängste: Nämlich ihre beiden jungen Kinder zu verlieren und das Versagen vor Publikum. Und natürlich auf die fabelhafte Renee Zellwegger, die hin und wieder sogar etwas Humor einfließen lässt.

Überzeugende Hauptdarstellerin

Wer Judy Garland bislang nicht kannte: Hier lernt man leider wenig über den einstigen Star, der im Alter von nur 47 Jahren verstarb. Aber das Spiel der Hauptdarstellerin Zellwegger, die eigens für ihre Rolle extrem an Gewicht verlor, es ist die Kinokarte wirklich wert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Januar 2020, 14:40 Uhr

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