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Kino-Tipp

"Gloria" geht ans Herz

22. August 2019

Der chilenische Film über eine Endfünfzigerin auf der Suche nach dem Glück erhielt bei der Berlinale 2013 den Goldenen Bären. Sebastián Lelio, der Regisseur des Films und späterer Oscar-Gewinner, ist mit seinem neuen Film ein großes Wagnis eingegangen: Er hat seinen Erfolg "Gloria" ein zweites Mal verfilmt. Diesmal in den USA, in Los Angeles. Und er hat mit der Hollywood-Schauspielerin Julianne Moore die Hauptrolle neu besetzt. Ob das Remake an das Original heran reicht, das weiß Jürgen Francke.

Der chilenische Regisseur Sebastián Lelio hat diese Geschichte schon einmal gedreht, 2013. Sein eigenes Remake spielt nun in Los Angeles. Julianne Moore spielt die Hauptrolle in dem Melodram über menschliche Stärken und Schwächen.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:45 Minuten
Datum: Donnerstag, 22. August 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Wenn sie da mit anderen auf dem Boden liegt, beim Lachkurs, wenn sie in der Single-Disco versunken nach der Musik tanzt oder bei der Autofahrt lauthals die Hits aus dem Radio mitsingt, dann verstehen wir: Diese Frau, Gloria, Ende 50 und seit über zehn Jahren geschieden, hat noch lange nicht aufgegeben. Sie will leben, Spaß haben, Flirts nicht ausgeschlossen.

Begegnung mit Arnold

Die Frau mit der etwas zu großen Brille führt ein ganz normales Leben in Los Angeles. Sie geht ihrem Bürojob nach, sie hält losen Kontakt zu ihren erwachsenen Kindern und sie geht hin und wieder abends aus. Nur nachts, da ist Gloria allein. Meistens jedenfalls. So trifft es sich bestens, dass sie den gleichaltrigen Arnold beim Tanzen kennenlernt. Und dass er der Betreiber eines Vergnügungsparks, wo mit Paintball-Waffen geschossen wird, und so ein freundlicher, kultivierter Mann ist.

Störfaktor Telefon

Gloria scheint endlich den passenden Mann gefunden zu haben. Und Arnold, gespielt von John Turturro, will von nun ab alles besser machen. Gerade in Beziehungsdingen. Sein Problem ist nur: Ständig klingelt sein Telefon. Dran sind entweder seine beiden erwachsenen Kinder oder seine Ex-Ehefrau, die offensichtlich mit ihren Leben nicht klar kommen. Dass Arnold nach solchen Anrufen manchmal einfach so verschwindet, mitten im Liebesspiel, aus dem Restaurant, ja, sogar aus dem Wochenendurlaub in Las Vegas – das geht zu weit. Da macht Gloria nicht mit.

Julianne Moore überzeugt

"Gloria" von Regisseur Sebastián Lelio ist ein glaubwürdiges Melodram über menschliche Stärken und Schwächen. Die amerikanische Version des chilenischen Originalfilms vom gleichen Regisseur aus dem Jahr 2013 und in den Kamera-Einstellungen ist oft identisch, auch dieses Remake macht sehr deutlich, wer hier stark ist: Nämlich Gloria. Und das hat die Oscarpreisträgerin Julianne Moore mit ihrer großartigen Verkörperung der Hauptfigur zu verantworten. Gloria ist allgegenwärtig und fast in jeder Szene zu sehen. Manchmal sogar, und das ist keineswegs peinlich, unbekleidet.

Fazit

Gloria dabei zuzuschauen, wie sie ihr Leben zu meistern versucht, wie sie sich nach ein bisschen Liebe sehnt, voller Lebenslust, das geht ans Herz. Sie geht zwar Kompromisse ein und macht Zugeständnisse, aber sie weiß Grenzen zu ziehen. Wankelmütige Männer, die sich nicht trauen, die sind nichts für Gloria. Und so endet dieser Film mit einem kleinen Racheakt. Nicht etwa brutal, sondern originell. Solch eine Abrechnung auf der Kinoleinwand macht einfach nur Spaß, wie der ganze Film.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. August 2019, 11:40 Uhr

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