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Kino-Tipp

Gelobt sei Gott

26. September 2019

In Frankreich gibt es den Verein "La Parole Libéreé". Er wurde gegründet von Opfern sexuellen Missbrauchs. Das Besondere an diesem Zusammenschluss ist die Tatsache, dass allen Betroffenen durch Geistliche der Katholischen Kirche in den 70er und 80er Jahren Gewalt angetan wurde. Der Film "Gelobt sei Gott" wurde aus der Perspektive der Opfer gedreht. Es ist eine bemerkenswerte  Anklage. Jürgen Francke stellt den Film vor.

In Frankreich gibt es den Verein "La Parole Libéreé". Er wurde gegründet von Opfern sexuellen Missbrauchs. Das Besondere an diesem Zusammenschluss ist die Tatsache, dass allen Betroffenen durch Geistliche der Katholischen Kirche in den 70er und 80er Jahren Gewalt angetan wurde. Der Film "Gelobt sei Gott" wurde aus der Perspektive der Opfer gedreht. Es ist eine bemerkenswerte  Anklage. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:46 Minuten
Datum: Donnerstag, 26. September 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Der französische Kardinal Barbarin sagt auf einer Pressekonferenz in Lyon Ungeheuerliches: "Wir sind mit allen Fällen vertraut, und, Gelobt sei Gott, sind sie alle schon verjährt." Der Pressekonferenz vorausgegangen war ein Skandal. Durch Zufall hat Alexandre, ein verheirateter Familienvater, davon gehört, dass Pater Preynat, mit dem er in den 1980er Jahren oft auf Kinderfreizeiten war, immer noch mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Da kommen schmerzliche, längst verdrängte Erinnerungen in ihm hoch. Denn dieser Pater hatte ihn damals sexuell missbraucht. Nach langem Nachdenken und einem in eiskalter Atmosphäre geführten Gespräch mit dem Kardinal ringt sich Alexandre dazu durch, Preynat selbst zu treffen und ein Eingeständnis einzufordern.

Von Reue oder Entschuldigung keine Spur

Und auch die Vorgesetzten des Paters zeigen keinen Willen, den Pater zur Rechenschaft zu ziehen. Der Einzelkämpfer Alexandre erhält bald Unterstützung von zwei weiteren Missbrauchsopfern dieser Zeit. Sie gründen zusammen einen Verein, auch wenn sie sich kaum überwinden können, einander von ihren traumatischen Erlebnissen zu berichten.

In "Gelobt sei Gott", dem Filmdrama von Regisseur Francois Ozon nach einem authentischen Fall in Lyon, wird sehr viel geredet. Auch wenn es im Grunde genommen um das Schweigen geht. Niemand will sich erinnern, niemand will das fürchterliche Geschehen in der Katholischen Kirche in Frankreich aufarbeiten. Die Familien und das soziale Umfeld der Opfer nicht, und die kirchlichen Funktionsträger schon gar nicht.

Schrei nach Gerechtigkeit

Filmisch ist "Gelobt sei Gott" bewusst konventionell gehalten, fast dokumentarisch. Auf reißerische Momente verzichtet Regisseur Ozon. Die Qualen der Opfer sieht man ihren Gesichtern an. Ihre Entscheidung, die weltliche Justiz einzuschalten und gegen Pater Preynat sowie seine Vorgesetzten Anzeige zu erstatten, ist keine Rache. Es ist ein Schrei nach Gerechtigkeit. Erschütternd ist dieser wortreiche Film und jederzeit glaubhaft – auch wenn schier Unglaubliches gesagt wird.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. September 2019, 10:38 Uhr

Kino-Premieren