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Kino-Tipp

Geheimnis eines Lebens

Mit Judy Dench

4. Juli 2019

1992 kam es in Großbritannien zu einer sehr ungewöhnlichen Verhaftung. Britische Geheimdienstler nahmen die bereits 80-jährige Melita Norwood fest. Ihr wurde unter anderem Hochverrat vorgeworfen. Die alte Dame wurde allerdings nie angeklagt und starb 2005 mit 93 Jahren in London. Dieses Ereignis steht im Zentrum des Films von Regisseur Trevor Nunn. Eine Filmkritik von Jürgen Francke.

1992 kam es in Großbritannien zu einer sehr ungewöhnlichen Verhaftung. Britische Geheimdienstler nahmen die bereits 80-jährige Melita Norwood fest. Ihr wurde unter anderem Hochverrat vorgeworfen. Die alte Dame wurde allerdings nie angeklagt und starb 2005 mit 93 Jahren in London. Dieses Ereignis steht im Zentrum des Films von Regisseur Trevor Nunn.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:47 Minuten
Datum: Donnerstag, 4. Juli 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Eine alte Lady wird verhaftet

Was für ein Schock. Die Engländerin Joan Stanley, verwitwet und weit über 80, wird eines Tages in ihrem Häuschen von Mitarbeitern des britischen Inlandsgeheimdienstes MI 5 geradezu überfallen und dann festgenommen. Der ungeheure Vorwurf an die betagte Dame: Spionage und Hochverrat. Es folgen stundenlange Verhöre. Joan wirkt völlig verloren, sie ist verwirrt und stammelt nur. Erst als ihr Sohn, ein Anwalt, dazukommt, bröckelt die Fassade der alten Lady. Offensichtlich hatte sie in den 1940er Jahren als junge Physikerin an einem geheimen Projekt mitgewirkt.

Wenig zu sehen: Judy Dench

Judy Dench spielt diese alte Frau, die offensichtlich einiges zu verbergen hat. Allerdings ist nicht viel zu sehen von der Grande Dame des britischen Theaters und Kinos. Denn Regisseur Trevor Nunn benutzt in "Red Joan", so der Originaltitel, sehr viele Rückblenden, in denen Sophie Cookson als "Rote Joan" die Hauptrolle verkörpert. Die recht einfältige junge Frau nimmt schon als Studentin an Versammlungen der Kommunistischen Internationale teil und gerät in die Fänge des charismatischen Aktivisten Leo. Und als Joan dann später am Atombomben-Projekt mitarbeitet, will Leo Informationen – für den russischen KGB.

Allgemeinplätze

Es hätte ein spannender Film werden können. Über die Grenzen der Forschung und deren Missbrauch. Über Gewissenskonflikte bei der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Oder über substanzielle Fragen von nationaler Integrität und politischer Utopie. Aber diese Bereiche streift "Geheimnis eines Lebens" nur ein wenig. Stattdessen hagelt es Allgemeinplätze von der Kinoleinwand. Und Judy Dench ist mal wieder kurz im Bild.

Konventionelle Umsetzung

Nach dem Abwurf der amerikanischen Hiroshima-Bombe glaubte Joan, das Stalin-Russland könnte mit der gestohlenen Atom-Technologie ein militärisches Gleichgewicht herstellen. Wenn der Film wenigsten diesen Aspekt nachvollziehbar in Bilder umsetzen würde! Stattdessen operiert Regisseur Nunn mit unmotivierten, auf Spannung ausgelegten, Spionagefilm-Versatzstücken. Oder mit Tete-á-tete-Großeinstellungen von Kuss-Szenen, die wie Aufnahmen aus "Vom Winde verweht" wirken.

Fazit

Mit seiner schlichten, naiven Herangehensweise verschenkt "Geheimnis eines Lebens" diesen Konflikt von Liebe, Politik und globalem Sozialgewissen: Das Mauerblümchen rettet die Welt. Und niemand versteht es. Ach ja, die alte Joan gibt später ihren Verrat am Vereinigten Königreich zu, damit Judy Dench nochmal verknittert in die Kamera schauen kann.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Juli 2019, 11:40 Uhr

Kino-Premieren