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Kino-Tipp

Farewell

Die wahre Geschichte einer Lüge

19. Dezember 2019

Eine kulturübergreifende Familiengeschichte der US-Regisseurin Lulu Wang, die in der Volksrepublik China spielt. Es geht um eine große Lüge und um die innige Liebe zu einem alten Menschen. Wie das alles zusammen passt, weiß Bremen-Zwei-Kinoexperte Jürgen Francke.

Eine kulturübergreifende Familiengeschichte, die in der Volksrepublik China spielt. Es geht um eine große Lüge und die innige Liebe zu einem alten Menschen.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:20 Minuten
Datum: Donnerstag, 19. Dezember 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

 Billie erhält eine schlechte Nachricht

Billie ist um die 30 und chinesischer Herkunft. Als Kind ist sie mit ihren Eltern in die USA, nach New York, ausgewandert. Zu Hause spricht sie mit ihnen Englisch. Mandarin beherrscht sie eher mittelmäßig. Oft telefoniert die angehende Schriftstellerin ohne rechtes Einkommen mit Nai Nai, ihrer Großmutter, die in der Volksrepublik China lebt. Sie haben sich zwar jahrelang nicht gesehen, aber Nai Nai ist ein emotionaler und kultureller Halt für Billie. Der Schock ist groß, als sie von ihren Eltern hört: Die geliebte Oma wird nicht mehr lange leben.

Eine unheilbare Krankheit und eine Scheinheirat

Wenn es nicht der Krebs ist, so lautet ein Sprichwort, dann ist es die Angst, die einen umbringt. Also soll Nai Nai im Unwissen gelassen werden. So wird kurzerhand eine Scheinheirat von Billies Cousin, der in Japan arbeitet, arrangiert. In der Millionenstadt Changchun. Dort lebt die Großmutter. Natürlich reist Billie ihrer Familie nach, und damit kommt ein ziemlich verrücktes Lügen- und Possenspiel in Gang. Die amerikanische Regisseurin Lulu Wang, selbst ein Migranten-Kind, erzählt in "The Farewell", also "Lebewohl", ihre eigene Geschichte. "Auf einer wahren Lüge beruhend", bezeichnet sie ihren warmherzig inszenierten Film. Denn vor Ort in China tun die Familienangehörigen alles Menschenmögliche, um Nai Nai im Glauben zu lassen, sie hätte nur eine Erkältung. Und die tut wie immer. Sie ist dominant und will selbst im Krankenhaus bei einer Untersuchung nur das Beste.

Man kann's ja mal versuchen. Der liebevolle Umgang der Protagonisten in "The Farewell", bei all den gut gemeinten Unwahrheiten und Notlügen, dieses Miteinander ist auch ein ausgleichender Moment zu den immer wieder angedeuteten gesellschaftlichen Missständen in der VR China. Dort wo alte Bausubstanzen seelenlosen Hochhäusern weichen mussten, wo die Vereinsamung der Menschen eklatant zunimmt, da tun Fürsorge und Anteilnahme einfach nur gut.

Warmherzig und berührend

Diese melancholische Komödie ohne Helden mit ihren oft grotesken, kulturbedingten Verwicklungen rührt die Herzen an. Und übrigens: Es wird oft und viel gegessen in diesem Film. Das macht noch mehr Appetit auf "The Farewell".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. Dezember 2019, 11:40 Uhr

Kino-Premieren