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Kino-Tipp

Deutschstunde

2. Oktober 2019

Der Roman von Siegfried Lenz gehört zu den absoluten Klassikern der deutschen Nachkriegsliteratur. 1971 verarbeitete der Regisseur Peter Beauvais den Stoff zu einem zweiteiligen Fernsehfilm. Jetzt, rund 50 Jahre später, hat Christian Schwochow "Deutschstunde" abermals verfilmt, diesmal für die Kinoleinwand. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Der Roman von Siegfried Lenz gehört zu den absoluten Klassikern der deutschen Nachkriegsliteratur. Der Regisseur Peter Beauvais verarbeitete den Stoff 1971 zu einem zweiteiligen Fernsehfilm. Jetzt, rund 50 Jahre später, hat Christian Schwochow "Deutschstunde" abermals verfilmt, diesmal für die Kinoleinwand.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:58 Minuten
Datum: Mittwoch, 2. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Eine so genannte Besserungsanstalt, eigentlich ist es ein Gefängnis, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Norddeutschland: Siggi Jepsen soll einen Aufsatz schreiben. Das Thema: "Die Freuden der Pflicht" , dazu hat er zunächst aber keine Idee.

Am Ende, nach 130 Filmminuten von "Deutschstunde", hat der junge Mann einen ganzen Stapel von Kladden vollgeschrieben. Die eigentliche Geschichte wird in einer langen Rückblende erzählt. Siggi lebt mit seiner Familie an der weiten Nordsee-Küste an der Grenze zu Dänemark. Dort steht sein strenger Vater dem Gendarmerie-Posten als Polizist vor. Der alte Jepsen ist ein deutscher Beamter, der ohne Wenn und Aber die Befehle des Staates durchsetzt. Und dem Pflichterfüllung über alles geht.

Ein väterlicher Freund

"Wir" sagt der Vater. Und dieses Wir meint das nationalsozialistische Regime ebenso wie die gehorsame, sogenannte Volksgemeinschaft. Ganz das Gegenteil davon ist der expressionistische Maler Max Nansen. Siegfried Lenz, der Autor der Romanvorlage, legte ihn als Spiegelbild von Emil Nolde an. Später wurde Nolde Antisemitismus und Nazi-Anhängerschaft nachgewiesen. Davon ist allerdings weder im Buch noch im Film etwas zu spüren. Nansen im Film, so etwas wie ein väterlicher Freund von Siggi, ist ein Freigeist. Er bringt dem Jungen das Malen bei und eröffnet ihm neue Denkwelten. Nansen selbst darf auch fernab von Berlin seiner Kunst nicht mehr nachgehen. Vater Jepsen, pflichterfüllt, setzt dies gnadenlos durch.

Prominent besetzt

Regisseur Christian Schwochow, das Drehbuch stammt von seiner Mutter Heide, erzählt – nah an der Romanvorlage von Siegfried Lenz – das Verhältnis zweier recht eindimensional gezeichneter Charaktere aus der Perspektive des jungen Siggi. Obrigkeitshörig und autoritär der Vater. Zurückhaltend tolerant, nachdenklich aber selbstbewußt der Maler.

Ulrich Noethen als blind ergebener Dorfpolizist und Familien-Patriarch sowie Tobias Moretti in der Rolle des Künstlers tragen diesen Film. Alle anderen Beteiligten sind eher Randfiguren mit wenig Text. Auch Siggi, als Kind wie auch in der Rahmenhandlung in der Anstalt, ist mehr Zuschauer denn Protagonist.

Düster und ohne Zwischentöne

Filmisch arbeitet Regisseur Schwochow viel mit düsteren Farben und symbolschweren Bildern, zum Beispiel von brennenden Bilder-Stafetten am Strand oder einer Gewitterfront über dem Watt. Licht kommt in "Deutschstunde" selten vor. Kameratechnisch nicht und auch inhaltlich, atmosphärisch nicht. Zwischentöne vermeidet dieser Film. Dafür ist er zu konsequent in seiner Kernaussage: Wehret den Anfängen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Oktober 2019, 07:40 Uhr

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