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Kino-Tipp

Bruder Schwester Herz

10. Oktober 2019

Der Film von Tom Sommerlatte erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares in der deutschen Provinz und deren unausgesprochenen Konflikte. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Der Film von Tom Sommerlatte erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares in der deutschen Provinz und deren unausgesprochenen Konflikte. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:44 Minuten
Datum: Donnerstag, 10. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

In den Weiten der Mark Brandenburg kann man durchaus eine Rinder-Ranch betreiben. Nicht ganz so groß wie in der amerikanischen Prärie, aber für lange Ausritte reicht es. Jedenfalls machen das die Geschwister Lilly und Franz, beide Anfang 30, für ihr Leben gern. Nach einem Unfall ist Vater Heinz ein Pflegefall, die Mutter hat die Familie verlassen. Und so kümmern sich die beiden um den Hof. Lilly ist dabei die Gewissenhafte, Franz ist eher ein Bruder Leichtfuß.

Enges Verhältnis

Franz, ganz moderner Cowboy, kommt häufig besoffen aus der Kneipe, bringt manchmal Frauen mit nach Hause und setzt schon mal den Pick-Up nachts in den Graben. Die beiden haben bei aller Verschiedenheit ein symbiotisches Verhältnis. Kein sexuelles, aber ein enges, auch körperlich. Als der Musiker Chris aus Berlin mit seiner Band in der Dorfkneipe auftritt, macht er großen Eindruck auf Lilly. Das kommt bei Franz gar nicht gut an.

Gehen oder Bleiben?

Der Titel "Bruder Schwester Herz" – in drei Worten – des Films von Regisseur Tom Sommerlatte sagt es schon: hier geht es ums Vertraute. Doch ein Herz und eine Seele sind Lilly und Franz eben nicht. Während der Macho-Bruder alles beim Alten auf dem heruntergekommenen Hof lassen und auch das bisschen Restfamilie im Status Quo verankern will, strebt Lilly nach Neuem. Sie kann sich vorstellen, das Anwesen zu verkaufen und auf Reisen zu gehen.

Überzeugende Darstellung

In "Bruder Schwester Herz" wird wenig geredet. Man kann diese Sprachlosigkeit im Kontext der strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland deuten. Oder auch als stillen Kommentar zu schwindenden sozialen Werten wie Solidarität, Vertrauen und Zukunftssicherheit. Karin Hanczewski und Sebastian Fräsdorf, die beiden überzeugenden Hauptdarsteller, verkörpern facettenreich die Unsicherheiten ihrer Figuren.

Fazit

Tom Sommerlatte beschreibt mit seinem atmosphärisch dichten Film sehr gefühlvoll die Diskrepanz von geographischer Weite und damit verbundener Freiheit auf der einen Seite, und der realen Welt da draußen mit all ihren Verlockungen, aber auch Gefahren, auf der anderen. Es ist ein Film, auf den man sich einlassen muss. Wenn man's dann tut, dann bleiben die Bilder im Gedächtnis haften. Und das ist eine Qualität.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Oktober 2019, 10:20 Uhr.

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