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Kino-Tipp

"Border"

Spannend und ungewöhnlich

11. April 2019

Es geht um sichtbare und unsichtbare Grenzen. Was ist an einem Menschen normal, fragt der Film, und was geht über das Menschsein hinaus? Kann eine Person Mensch, Tier und übernatürliches Wesen zugleich sein? Jürgen Francke stellt den Film vor.

Es geht um sichtbare und unsichtbare Grenzen. Was ist an einem Menschen normal, fragt der Film, und was geht über das Menschsein hinaus? Kann eine Person Mensch, Tier und übernatürliches Wesen zugleich sein? Jürgen Francke stellt den Film vor.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:47 Minuten
Datum: Donnerstag, 11. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Eine Zollbeamtin mit besonderen Fähigkeiten

Die schwedische Zollbeamtin Tina sieht ungewöhnlich aus. Denn die Mittdreißigerin mit der dicken Nase, den schiefen Zähnen und der Wulst an Augenbrauen und Stirn wirkt vom Aussehen her archaisch, wie aus der Vor-Steinzeit. Ihr Körper ist kräftig, eine Frisur lassen die strohigen Haare nicht erkennen. Bestimmt hat die Frau in ihrer Kindheit eine Menge Spott ertragen müssen. Bei der Arbeit allerdings ist Tina unfehlbar. Schmuggler haben bei ihr keine Chance. Tina schnüffelt. Das tut sie immer. Sie hat so etwas wie einen sechsten Sinn. Und so findet die Grenzbeamtin auch Dinge, die andere nie wahrnehmen würden. Die Kollegin von der Polizei kann es kaum glauben.

Tina und Vore

Und kaum dass man denkt, "Border" oder "Grenze" sei womöglich ein Sozialdrama oder ein Krimi, geht der Film in eine ganz andere Richtung. Eines Tages steht nämlich ein sonderbarer Mann vor Tina bei der Zollkontrolle. Er heißt Vore und sieht ebenso urwüchsig aus wie sie. Die beiden haben sofort einen Draht zueinander. Tina bietet ihm sogar an, auf ihrem Wald-Grundstück in den Schären zu übernachten. Vore gibt sich äußerst naturverbunden. Im Bewußtsein ihrer gemeinsamen Andersartigkeit entwickeln Tina und Vore Gefühle füreinander. Die leben sie im Waldsee oder unter den Bäumen körperlich aus. Der Film ist dabei keineswegs kitschig, ganz im Gegenteil.

Spannend und ungewöhnlich

"Border" ist stilistisch schwer einzuordnen. Bei der Liebesszene im Wald gestehen sich die beiden ein, Zwitterwesen ohne eindeutiges Geschlecht zu sein. Während Tina von einer Chromosomenveränderung in ihrem Körper ausgeht, und sich als missgestalteten und damit hässlichen Menschen sieht, hält sich Vore für einen Troll, ein Fabelwesen. Und damit der menschlichen Rasse überlegen. Und plötzlich macht der Film Anleihen beim Horror – und auch beim Fantasyfilm. Das ist erstens spannend inszeniert bis zum überraschenden Ende und wirft ernsthafte Fragen der Identität oder des Menschseins auf.

Fazit

Dieser ungewöhnliche Film nimmt gefangen. Seine Bilder wechseln oft unmerklich vom Realismus über nordische Folklore ins Phantastische. Die beiden Hauptdarsteller, ihre Maskenbildner, der Kameramann und natürlich Regisseur Ali Abbasi: Sie alle haben etwas Großartiges geleistet.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. April 2019, 11:40 Uhr

Kino-Premieren