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Kino-Tipp

Berlin Alexanderplatz

16. Juli 2020

Für die Neuverfilmung von "Berlin Alexanderplatz" hat Regisseur Burhan Qurbani die Handlung in die Neuzeit verlegt, an soziale Brennpunkte in Berlin. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Für die Neuverfilmung von "Berlin Alexanderplatz" hat Regisseur Burhan Qurbani die Handlung in die Neuzeit verlegt, an soziale Brennpunkte in Berlin.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:55 Minuten
Datum: Donnerstag, 16. Juli 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Francis in Berlin

Hart und beklemmend beginnt "Berlin Alexanderplatz" von Regisseur Burhan Qurbani. Er hat die Romanvorlage von Alfred Döblin um die Hauptfigur Franz Biberkopf, sie spielt in den 1920er Jahren, ins heutige Berlin versetzt. Und wie Biberkopf ist auch Francis auf der Suche nach einem geordneten Leben. Und so folgt er seinem neuen Freund Reinhold. Eher widerwillig. Trotzdem verkauft er für ihn Drogen in der Hasenheide. Recht geschickt und selbstbewusst. Das entgeht auch dem Boss von Reinhold nicht.

Aufstieg und Fall

Die Zuschauer*innen werden Zeugen einer menschlichen Entwicklung in einem fremden, vermeintlich gelobten, Land. Wir sehen Francis´ Aufstieg in Berlins Unterwelt, seine herben Rückschläge, sozial und auch körperlich. Und das dramatische Scheitern eines Mannes, der gut sein will, der ein achtbarer Bürger sein weil. Drei Stunden sehen wir Berliner Schmuddel-Ecken, Arbeitslose, Geflüchtete, Kriminelle, Kaschemmen, Bars oder Callgirls. So wie Mieze eine ist, gespielt von Jella Haase. In ihrem Job heißt sie Kitty. Und Francis mag sie.

Episodenhafte Verfilmung

Szene aus Berlin Alexanderplatz: Zwei Männer stehen mit einem Kinderwagen in einem Park [Quelle: Sommerhaus/eOne Germany, Frédéric Batier]
Szene aus "Berlin Alexanderplatz" [Quelle: Sommerhaus/eOne Germany, Frédéric Batier]

Diese neue, episodenhafte Inszenierung von "Berlin Alexanderplatz" funktioniert allerdings nur bedingt. Zwei Stunden orientiert sich die Geschichte sehr plakativ und oft überambitioniert bebildert an einer rauen deutschen Wirklichkeit. Mit dem Dealer-Hotspot im Park der Hasenheide, in dem sich der Flüchtling hocharbeitet oder dem Raubüberfall, bei dem Francis von Reinhold aus dem Fluchtauto geworfen wird und seinen linken Arm verliert.

Mieze allerdings, in Döblins Roman eine zentrale Figur und wichtiger Bezugspunkt für Franz Biberkopf, findet in diesem Film nicht ihren richtigen Platz. Da fehlt der nötige Tiefgang, das mitreißende Element. Die Figur der Mieze fällt zu sehr ab gegenüber der verhängnisvollen Männerfreundschaft von Francis mit dem ebenso linkischen wie brutalen Reinhold.

Fazit

Albrecht Schuch spielt Reinhold zwischen Einflüsterer und Satan mit einer Verve, dass es eine Freude ist. Man kann, man muss diesen Film kritisieren: dafür, dass er bei aller Ambitioniertheit doch an der Oberfläche bleibt: Aber Schuchs grandiose Darstellung allein ist den Kauf einer Kinokarte wert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. Juli 2020, 12:40 Uhr

Kino-Premieren