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Kino-Tipp

Atlas

25. April 2019

Mit einem grandiosen Rainer Bock in der Hauptrolle erzählt der Regisseur David Nawrath in seinem Kino-Debüt von einer besonderen Vater-Sohn-Geschichte. "Atlas" ist ein intensives psychologisches Portrait, eine detailliert beobachtete Milieubeschreibung und gegen Ende ein spannendes Kriminalstück. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Mit einem grandiosen Rainer Bock in der Hauptrolle erzählt der Regisseur David Nawrath in seinem Kino-Debüt von einer besonderen Vater-Sohn-Geschichte. "Atlas" ist ein intensives psychologisches Portrait, eine detailliert beobachtete Milieubeschreibung und gegen Ende ein spannendes Kriminalstück. Jürgen Francke stellt den Film vor.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:36 Minuten
Datum: Donnerstag, 25. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Walter, Anfang 60, lebt alleinstehend in Frankfurt. Der schweigsame Mann, ein ehemaliger Gewichtheber, ist seit langer Zeit Möbelpacker in der Firma von Roland, seinem Chef. Der hat sich auf Zwangsräumungen von Wohnungen spezialisiert. Ein Gerichtsvollzieher ist immer dabei.

Kriminelle Entmietung

Walter, der Möbelpacker, schaut wortlos zu Boden. Er kennt das Prozedere und hält sich raus. Als jedoch ein Mieter, der die Wohnung mit seiner Familie verlassen soll, sich weigert und dazu die Männer abfilmt, eskaliert die Situation. Moussa, der neue arabisch-stämmige Mitarbeiter der Packer-Kolonne, wird sofort aggressiv.

Vater-Sohn-Geschichte

Die Räumung findet nicht statt. Und was macht Walter? Er geht nach Hause und legt sich mit seinem müden Rücken auf die kalten Fliesen in seiner Küche. Wie jeden Abend. Und wir im Kinosessel wissen nun auch: Der Familienvater da vorhin ist der leibliche Sohn Walters. Jan. Als der vier Jahre alt war, wurde dem Vater seinerzeit der Kontakt untersagt. Das ist über dreißig Jahre her. Und so zieht es Walter am kommenden Tag zurück zur jungen Familie.

Jeder muss seine eigene Last tragen

Der Filmtitel "Atlas", das Regiedebut von David Nawrath, bezieht sich auf den Titan aus der griechischen Mythologie, der das Himmelsgewölbe der Welt stützte. Und so sieht sich auch Walter, großartig verkörpert von Rainer Bock. Jeder müsse seine eigene Last tragen, findet er. Sein Arbeitskumpel hingegen prangert das kriminelle Geschäftsgebaren seines Chefs Roland an. Der hat sich mit einem brutalen Clan eingelassen.

Wenn Rainer Bock in seiner Rolle als Walter vom Boden aufschaut, scheinbar stoisch, dann wird spürbar: In dem Mann brodelt es. Und so beschließt er, als eine Art Wiedergutmachung, seinen Sohn und dessen Familie zu beschützen. Die weiß noch immer nichts von Walters Vaterstatus. Und kann somit dessen immer gefährlicher werdende Taten nicht einschätzen. Walter legt sich, nach wie vor weitgehend wortlos, mit dem arabischen Clan an.

Fazit

"Atlas" ist ein intensives psychologisches Portrait, eine detailliert beobachtete Milieubeschreibung und gegen Ende ein spannendes Kriminalstück. Mit einem grandiosen Rainer Bock, der allein mit Blicken, Gesten und seiner unheilvoll lauernden Körperlichkeit das Kinopublikum gefangen nimmt. Er allein ist die Eintrittskarte wert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. April 2019, 11:40 Uhr

Kino-Premieren