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Kino-Tipp

Geschwisterdrama "All my loving"

23. Mai 2019

Drei erwachsene Geschwister stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Regisseur Edward Berger hat diese Geschichte in einer ungewöhnlichen Form inszeniert. Eine Filmkritik von Jürgen Francke.

Drei Geschwister kämpfen sich durch´s Leben und wissen nicht wie es eigentlich weiter gehen soll mit sich selbst. Regisseur Edward Berger hat diese Geschichte, oder besser: diese drei Geschichten in einer ungewöhnlichen Form inszeniert.

Autor/-in: Jürgen Francke
Länge: 3:41 Minuten
Datum: Donnerstag, 23. Mai 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Die drei Geschwister Stefan, Tobias und Julia, alle zwischen 40 und 50 Jahre alt, treffen sich in einem Restaurant. Es geht um ihren Vater. Der hat gerade seinen Pfleger vergrault und scheint ohnehin recht starrsinnig zu sein. Also bleibt alles an Tobias hängen, der immer noch mit seiner Diplomarbeit beschäftigt und eigentlich Hausmann ist.

Der mondäne Stefan

Aber bevor sich "All my loving" ihm und seinem Heimatbesuch zuwendet, konzentriert sich der Film von Regisseur Edward Berger nach diesem Prolog auf Stefan. Er ist im ersten von nun drei aufeinander folgenden Akten der Mondäne unter den drei Geschwistern. Der Porsche-Fahrer ist Flugkapitän. Allerdings muss er seinen Job an den Nagel hängen, er leidet unter Schwindelanfällen. Aber das hindert Stefan, souverän gespielt von Lars Eidinger, nicht, weiter in Pilotenuniform in Hotelbars Frauen abzuschleppen. Und seine uneheliche Tochter findet ihn nur noch peinlich.

Julia, hochsensibel

Im zweiten Akt von "All my loving" geht es um Julia und ihren Mann. Sie machen gerade Urlaub in Turin. Und auch hier bröckelt eine Fassade. Offenbar haben die beiden ein schweres gemeinsames Schicksal zu tragen, mit dem Julia auch nach Jahren nicht klar kommt. Sie gibt sich hochsensibel und neurotisch. Es ist im Kinosessel fast peinlich zuzusehen, wie Julia "all her loving" sozusagen einem zugelaufenen italienischen Straßenköter zukommen lässt.

Überzeugend gespielt

Drehbuch-Koautorin Nele Müller-Stöfen ist in ihrer Rolle als Julia kaum zu ertragen — weil sie so überzeugend spielt. Das kann man auch Hans Löw als Tobias im dritten Akt attestieren. Der jüngste Sohn hat sich ins Elternhaus im Grünen aufgemacht, das die Mutter gerade von Grund auf renovieren lässt. Sein kränkelnder Vater, verkörpert von Manfred Zapatka, kanzelt ihn ab. Für ihn ist der Dauerstudent ein Versager. Aber der will doch nur helfen.

Fazit

Das gute Darstellerensemble hat in den drei jeweils gut 30 Minuten langen Akten allerdings kaum die Möglichkeit, seine Rollen zu vertiefen. Es geht im Wesentlichen um den Verlust von Sicherheit einer längst erwachsenen Kinder-Generation. Doch die einzelnen Episoden bieten nur Streiflichter ihrer jeweiligen Hauptfiguren. Die Kurzgeschichten sind nur dünn entwickelt und werden erst im versöhnlichen Epilog zusammengeführt. Alles in Allem ist "All my loving" ein Film auf solidem Fernseh-Niveau. Allerdings: der titelgebende Beatles-Song, er kommt nicht vor. Eigentlich schade.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. Mai 2019, 10:40 Uhr

Kino-Premieren