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Hörbuch-Tipp

Alles könnte anders sein

23. April 2019

Harald Welzer ist Direktor von Futurzwei, einer Stiftung deren selbsternanntes Ziel die Schaffung einer "zukunftsfähigen, offenen Gesellschaft" ist. Er meint: es könnte nicht nur alles anders, sondern besser sein. Mit seinem Buch stellt sich Harald Welzer den aktuellen pessimistischen und düsteren Zukunftsvisionen entgegen. Es ist nämlich alles gar nicht so aussichtslos, wie viele meinen. Welzer freut sich auf die Zukunft. Der Hörbuch-Tipp von Florian Bänsch.

Es könnte nicht nur alles anders, sondern besser sein. Mit seinem Buch stellt sich Harald Welzer den aktuellen pessimistischen und düsteren Zukunftsvisionen entgegen. Es ist nämlich alles gar nicht so aussichtslos, wie viele meinen. Welzer freut sich auf die Zukunft. Florian Bänsch stellt das Hörbuch vor.

Autor/-in: Florian Bänsch
Länge: 3:04 Minuten
Datum: Dienstag, 23. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Es ist eine Epidemie des Denkens, nein, eine Pandemie des Denkens: Alles wird schlechter, die Welt geht unter, die fetten Jahre sind vorbei. So ist das jetzt eben. Die Zukunft lockt nicht, sie droht. Harald Welzer will mit diesem Denken Schluss machen. Es ist an der Zeit, dass wir uns wieder Utopien erzählen, und deswegen fängt er in "Alles könnte anders sein" damit einfach schon mal an. "Ich stelle mir vor…", so beginnen die Kapitel.

Ich stelle mir vor: Eine kapitalistische Wirtschaft mit Unternehmen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. In der zugleich Commoners Gemeingüter bewirtschaften, Genossenschaften Banken betreiben und Aktiengesellschaften Bauernhöfe. Wir nennen das "aufgeklärten Kapitalismus".

Alles ist machbar, Träume sind erlaubt

Mit dem Slogan stellt Welzer sich vor sein Publikum: Machbar ist, was machbar ist. Alles, was in der Geschichte der Menschheit erreicht wurde, wurde erreicht, weil jemand daran geglaubt hat, dass es erreichbar ist. Als Hörer sträubt man sich erstmal gegen diese Tautologie, aber Welzer knüpft sich die müden Zyniker systematisch vor.

Ja, eine nachhaltige Welt, in der die Menschen friedlich leben und gut miteinander auskommen, die wäre schön. Und dann? Folgt das große Aber. Von Artensterben über Klimawandel bis Trump. Und man sieht: Sie gestatten sich das Träumen nicht. Nicht mal mehr das Träumen.

Positive Zukunftsvisionen

Ein Umdenken also, ein Optimismus soll es werden, ein "Realismus der Hoffnung", wie Harald Welzer es nennt, und er bezieht sich dabei auf die positiven Zukunftsvisionen des israelischen Soziologen Yuvel Noah Harari mit seinen Lektionen für ein neues Jahrtausend. Oder auf den Pop-Ökonomen Christian Felber mit seiner "Gemeinwohlökonomie". Eine Utopie, in der Unternehmen staatlich zu einer 80-20-Wirtschaft verpflichtet werden: 80 Prozent Eigengewinn, 20 Prozent Arbeit für das Gemeinwohl.

Auf diese Weise wird umgekehrt, was heute meist der Fall ist: Dass es einfacher und kostengünstiger ist, nicht nachhaltig zu wirtschaften. Und aufwendiger, aufreibender und teurer, wenn man Nachhaltigkeitsziele verfolgt.

Weckt Aufmerksamkeit

Der Hörer runzelt vielleicht die Stirn, wenn so etwas kommt, und das ist gewollt. Welzer macht seine Utopien nicht mundgerecht, er haut raus, er träumt groß, er schlägt sie einem um die Ohren bis man aufgibt. Oder besser: Bis man sich daran gewöhnt hat, ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.  

Das macht erheblich bessere Laune als sich mit apokalyptischem Geraune wechselseitig zu ermuntern, nichts zu tun.

Und das wäre doch mal eine fantastische Leistung für ein Buch. Den Menschen wieder beizubringen, sich das Träumen zu gestatten.

Infos:
Harald Welzer: Alles könnte anders sein Euro; Argon Hörbuch; 24,95 24,95 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. April 2019, 9:40 Uhr

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