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Hörbuch-Tipp

Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat

23. Juli 2018

Der Freistaat Bayern wurde ausgerechnet von einem Sozialisten ausgerufen. Die Revolution und ihr blutiges Ende war in Bayern lange kein Thema. Hans Well erinnert an den roten Revoluzzer Kurt Eisner und die Räterepublik 1918/19.

Cover: Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat [Quelle: Der Hörverlag]
Hans Well: Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat, Der Hörverlag, 2018 [Quelle: Der Hörverlag]

Hörspiel zum Jubiläum

Schwer tut sich das offizielle Bayern meist mit der Geburtsstunde des Freistaats während der Revolutionstage 1918. Eher verbannt aus Gedächtnis, Museen und Schulbüchern als angemessen gewürdigt wird der damalige revolutionäre Aufbruch der Münchner Räterepublik am Ende des Ersten Weltkrieges. Das meint auf jeden Fall Hans Well, Mitgründer der satirisch-urbayrischen Kapelle Biermösl Blosn und oft Begleitmusiker für Gerhard Polt. Also produzierte Hans Well mit familiärer Unterstützung bei Text und Ton ein zweistündiges Hörspiel rechtzeitig zum Jubiläum der revolutionären Tage 1918/1919. Peter Meier-Hüsing hat reingehört.

Hans Well: Rotes Bayern [3:58 Minuten]

Aus Protest wurde Revolution

Der Wunsch nach Frieden war die treibende Kraft hinter den großen Umwälzungen im Deutschland des Jahres 1918. In München sammelten sich am 7. November, noch vor dem offiziellen Kriegsende und der Ausrufung der Republik, 60.000 Menschen auf der Theresienwiese zu einer Friedenskundgebung. Aufgerufen hatten Sozialdemokraten, Linkssozialisten, Gewerkschaften. Sofortiger Frieden, Rücktritt des Kaisers und ein Achtstundentag waren die Forderungen.

Je näher wir der Wiese kamen desto mehr Menschen wurden es, alle hatten es eilig. Vor der Bavaria standen dichte Massen und wuchsen von Minute zu Minute, von den Treppen des Denkmals herab redeten Männer, da und dort sah man eine rote Fahne aufragen, Hoch! Schrie es, dann wieder Nieder!. Es lebe der Friede schrien da um mich herum die Leute. Friede, Friede! Scholl es überall und pflanzte sich fort.

Hunderte kriegsmüde Soldaten verließen ihre Kasernen, banden sich rote Fahnen an ihre Gewehre und schlossen sich den Aufständischen an. Noch am Abend wurden weitere Regierungsgebäude besetzt. Ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat konstituierte sich und in der Nacht verkündete der neugewählte Ministerpräsident Kurt Eisner den Freien Volksstaat Bayern. Ebenfalls noch in der Nacht verließ der unbeliebte bayrische König Ludwig III mit einem kleinen Hofstaat München Richtung Chiemsee.

Das weitere Schicksal dieses kurzen Intermezzos der Utopie war tragisch und blutig. Ein rechter Adliger und Offizier erschoss Kurt Eisner, die Führung der folgenden Räterepublik im April 1919 um die Anarchisten Gustav Landauer und Erich Mühsam ist leidenschaftlich und guten Willens aber unerfahren bis zum Dilettantismus. Und die Feinde werden mehr. Die Sozialdemokraten sagen sich los von der Revolution und paktieren direkt mit reaktionären Kräften, um sie gewaltsam niederzuschlagen. Und die Kommunisten verfolgen ausschließlich eigene Interessen. In den ersten Mai-Tagen nehmen Reichswehr und Freikorps mit brutalster Gewalt München ein.

Fazit

Die zwei Stunden Historienhörspiel kommen leicht und abwechslungsreich daher, eher eine lebendige Erzählung als Geschichtsstunde, auch für Nicht-Bajuwaren. Ein gut gesprochenes eingängiges Hörerlebnis. . Rund wird die CD-Produktion durch ein informatives Booklet samt Kurzbiographien der historischen Protagonisten und einer Chronologie der Ereignisse.

Infos:
Hans Well, Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat, Hörbuch-Verlag, Random House 2018, 2 CDs, 2 Stunden 19 Min., 18 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. Juli 2018, 9:20 Uhr.

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