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Hörbuch-Tipp

Rebecca

26. Juli 2019

Dieser Thriller aus dem Jahr 1938 war Daphne du Mauriers fünfter und erfolgreichster Roman. Mit seinem Hörbuch-Label "Audoba“ gibt Drei-Fragezeichen-Veteran Jens Wawrczeck, wie er es sagt, "vergessenen Autoren" wieder eine Stimme. Darunter Daphne du Mauriers "Rebecca". Der Hörbuch-Tipp von Florian Bänsch.

Der Thriller "Rebecca“ aus dem Jahr 1938 war Daphne du Mauriers fünfter und erfolgreichster Roman. Über 2.8 Millionen verkaufte Kopien – geschuldet nicht nur, aber auch der Verfilmung von Alfred Hitchcock, zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Romans. Derzeit wird die Geschichte erneut verfilmt, rechtzeitig zu Hitchcocks 120. Geburtstag. Das Buch selbst aber ist in der Zwischenzeit etwas in Vergessenheit geraten. Mit seinem Hörbuch-Label „Audoba“ gibt Drei-Fragezeichen-Veteran Jens Wawrczeck, wie er es sagt, „vergessenen Autoren“ wieder eine Stimme. Darunter Daphne du Maurier. Rebecca ist wieder da.

Autor/-in: Florian Bänsch
Länge: 3:54 Minuten
Datum: Freitag, 26. Juli 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Krimi und Romanze

"Rebecca" wird seit über 70 Jahren als große gotische Romanze, als Liebesgeschichte auf einem englischen Landhaus, verkauft – mit ein bisschen Krimi hineingemischt. Dagegen liest Jens Wawrczeck dieses Hörbuch genau als das, was es ist: ein ganz und gar böser Thriller.

Maxim de Winter, wohlhabender Erbe und Gentleman, trifft in Monte Carlo eine junge Frau. Sie ist die namenlose Erzählerin dieses Buches. Nach wenigen Wochen wird geheiratet. Mit dem schönen und mysteriösen Mann reist Mrs. de Winter nach England. Genauer, nach Manderley. Das De-Winter-Anwesen liegt zwischen nebligem Märchenwald und englischer Küste. Alles ist perfekt. Doch hinter Kleidchen und Spiegeltisch mit Puderdose und Blümchenduft wohnt das kalte, faulige Gespenst von Rebecca, Maxims erster Frau. Kurz zuvor verstorben, aber eben noch immer da.

Verlangen, Angst und Anstand

Rebecca ist – war – alles, was die Erzählerin nicht ist. Die perfekte Ehefrau, die perfekte Gastgeberin, die Edeldame, die schönste Frau der Welt. Die Erzählerin konstruiert aus Rebecca ein Fabelwesen, eine Ikone der Weiblichkeit. Unerreichbar. In der blumigen Idylle des Anwesens entsteht damit ein grausiges Spiel aus Verlangen, Angst und Anstand. Die Erzählerin erniedrigt und beugt sich jeder Stimmung des Mannes Maxim, den sie verloren glaubt an die Erinnerungen an die tote Gattin. Aus ihrem Selbstzweifel baut Mrs. de Winter sich ein Gefängnis, und eine Folterkammer. Bis hin zum drohenden Suizid. Aber dann wird eine Leiche gefunden. Auf dem Meeresgrund vor Manderley. Nur ist es die Falsche.

Geschichte eines Martyriums

Mit Anfang 30 schreibt Daphne du Maurier, unglücklich in ihrer eigenen Welt aus Ruhm, Reichtum und Eheleben, die Geschichte eines Martyriums. Ein groteskes Bild von Mann und Frau. Von einer Liebe aus Autorität, Gewalt und Unterwürfigkeit. Für seinen Film musste Hitchcock diese Geschichte entschärfen und romantisieren. Ein neues Ende kam auch dazu. Das Buchende hätte gegen alle geltenden Hollywood-Anstandsregeln verstoßen.

Im Hörbuch, hervorragend neu übersetzt von Christel Dormagen und Brigitte Heinrich, wird die Geschichte ganz erzählt. Sicher, man kann Rebecca als romantischen Krimi verkaufen und lesen. Aber im Wasser vor Manderley treibt eine Frauenleiche. Und die lässt sich nicht ewig ignorieren.

Infos:
Daphne du Maurier: „Rebecca“. Audoba, 17,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. Juli 2019, 9:40 Uhr

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