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Hörbuch-Tipp

Mach mal halblang

15. Juli 2019

Ein Erdling zu sein ist manchmal nicht so einfach. Keiner weiß das besser als Matt Haig. Der britische Journalist und Bestsellerautor schaut in seinem neuesten Buch kritisch und besorgt auf seinen Heimatplaneten. Florian Bänsch stellt das Hörbuch "Mach mal Halblang", gelesen von Christoph Maria Herbst, vor.

Jeder Tag ist ein guter Tag, um Angst zu haben. Gründe gibt es ja genug. Klimawandel, Überwachung, Datenschutz, Geld, Liebe, Erfolg und alles. Der Mensch ist ein Sorgentier, und die Welt ist hin. Aber Achtung: Matt Haigs neuestes Buch ist keines, das einem erzählt, wie schön die Welt ist.

Thema Depressionen

Mit Anfang 20 wird Haig von schweren Depressionen geplagt. Jedes Kapitel nimmt auf diese Zeit Bezug. Die ihn beinahe das Leben gekostet hat.

Wenn man sich von Angstzuständen mürbe gemacht in einer unnatürlichen Umgebung befindet, beginnt man sich selbst unnatürlich zu fühlen. Man kann sich so weit entfernt vom Selbst fühlen, wie eine Packung Klopapier von einem Baum entfernt ist.

Auszug aus ""Mach mal halblang"

Nach einiger Zeit merken die Hörer: Es handelt sich hier gar nicht um ein positives Buch, das einem neue Ausblicke auf die Welt gewährt. Oder einem Glück und Frieden beibringt. Obwohl Haig das Anfangs so verkauft, und obwohl der Verlag es so bewirbt. Mach mal Halblang ist eine fünfstündige Therapiesitzung von Matt Haig, für Matt Haig. Ein Mensch, der versucht, sich selbst die Welt zu erklären. Sie schön zu reden. Die Welt, die ihn besorgt, die ihn verwirrt, und ihm Angst macht.

Sorgenvoll und anregend

Am Schluss kommt Haig zu einigen Lebensweisheiten, aber der Rest ist Jammer und Sorge. Er jammert über Technologie, über Globalisierung, über seinen Erfolg als Schriftsteller und über die Umwelt. Er sorgt sich um sein Aussehen, er sorgt sich über das Altwerden, und er sorgt sich darüber, wie sehr er sich sorgt. Er sorgt sich um seine Hörer*innen, von denen er glaubt, es gehe allen genau wie ihm. Als Hörer*in stellt man sich dann hin und sagt: "'Mach mal halblang'? Matt, mach du mal halblang!" Und da hat er einen. Da sitzt man dann und verteidigt ihm gegenüber im Kopf die ganze Welt.

Fazit

Matt Haig jammert so professionell, dass für die Hörer*innen kein Jammern mehr übrig bleibt. Die Welt sieht wieder etwas schöner aus, nachdem man dieses Buch durch hat. Und das ist ein toller Trick.

Infos:
Matt Haig: "Mach mal halblang – Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten", Der Hörverlag, 14,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Juli 2019, 7:40 Uhr

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