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Hörbuch-Tipp

Farm der Tiere

8. Mai 2019

George Orwell zählt zu den bedeutendsten englischen Schriftstellern. Der Durchbruch gelang ihm 1945 mit "Farm der Tiere", das zum Welterfolg wurde. Auch sein Buch "1984" gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. Nun ist im DAV (Der Audio Verlag) das Hörbuch "Farm der Tiere“ erschienen. Eva Garthe hat es gehört.

George Orwell zählt zu den bedeutendsten englischen Schriftstellern. Der Durchbruch gelang ihm 1945 mit "Farm der Tiere", das zum Welterfolg wurde. Auch sein Buch "1984" gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. Nun ist im DAV (Der Audio Verlag) das Hörbuch "Farm der Tiere“ erschienen. Eva Garthe hat es gehört.

Autor/-in: Eva Garthe
Länge: 3:54 Minuten
Datum: Mittwoch, 8. Mai 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Revolution auf dem Bauernhof. Nachdem die Tiere erkannt haben, dass ihr Leben um einiges besser wäre, wenn sie nicht für die Menschen schuften müssten, steht es fest: Der Farmbesitzer Jones muss weg! Die Zweibeiner sind der Feind! Und da die Schweine einfach die schlauesten Tiere des Hofs sind, ist klar, dass sie den Aufstand anführen.

Schweine an die Macht

Die Tiere vertreiben die Menschen und organisieren ihr Leben auf der Farm selbst: ein Leben ohne Unterdrückung und Gewalt, eine Farm auf der alle gleich sind. Doch die Idylle hält nicht lange, denn schon bald übernehmen die Schweine die Herrschaft. Während sie sich selbst immer größere Privilegien einräumen, beginnen sie, die anderen Tiere auf dem Hof zu tyrannisieren.

George Orwells "Farm der Tiere" ist ein moderner Klassiker der Gesellschaftskritik, eine beißende Satire und ein Lehrstück gegen Totalitarismus. Denn es zeigt wunderbar auf, dass jegliche Revolution, die eigentlich für Gerechtigkeit sorgen soll, lediglich zu Machtverschiebungen führt. Die Geschichte entpuppt sich als zyklisch. Und darum ist Orwells politische Fabel, obwohl bereits 1945 veröffentlicht, auch heute noch so aktuell wie eh und je.

Hochkarätiges Sprecherensemble

Jürgen Liebing hat sich des Orwell’schen Klassikers bereits 1980 angenommen und ihn als Hörspiel adaptiert. Im Vergleich mit der Buchvorlage fällt auf, dass für die Adaption extrem gekürzt wurde. Das Hörspiel bringt die Essenz des Textes auf den Punkt und schafft es, Plot und Atmosphäre gekonnt zu destillieren. In nur einer knappen Stunde erzählt das Hörspiel, das beim Rias Berlin entstand, vom Scheitern einer großen Utopie.

Die langsame, akustisch sehr reduzierte, fast karge Inszenierung von Regisseur Manfred Marchfelder mutet, wenn man heutige Standards anlegt, zwar etwas altbacken an. Dass man trotzdem gerne zuhört, liegt vor allem an dem hochkarätigen Sprecherensemble, das unter anderem aus Stimmkünstlern wie Otto Sander, Harry Wüstenhagen und Bernhard Minetti besteht.

Appell zu mehr Menschlichkeit

Die Vielstimmigkeit der tierischen Revolutionäre schlägt sich in der Hörspieladaption in vielen Erzählerstimmen nieder, die sich stetig abwechseln. Fast die ganze Geschichte wird in Form von Plenumsszenen und Redebeiträgen erzählt, durchzogen von choralen Gesängen der "Tiere Englands" – einer Art "Internationale", die an Marschmusik erinnert und die Revolutionäre einen soll, am Ende jedoch zum Sinnbild der Gleichschaltung wird.

Die Hörspielbearbeitung will dabei nicht den pessimistischen Aspekt der Fabel betonen, sondern weist auf den Appell zu mehr Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung hin. Dennoch ist es Absicht, wenn einen beim Hören manchmal der kalte Schauer überfällt. Insgesamt ist diese "Farm der Tiere" ein kurzweiliges und nachdenklich stimmendes Hörerlebnis, das einen angemessen betroffen zurücklässt.

Infos:
George Orwell: Farm der Tiere; Der Audio Verlag; 57 Minuten; 12 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Mai 2019, 15:38 Uhr

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