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Hörbuch-Tipp

Der Platz

7. Juli 2020

Sie beschreibt sich als Ethnologin ihrer selbst: die französische Schriftstellerin Annie Ernaux. Mit dem Buch "Die Jahre" wurde sie weltweit gefeiert. International auf sich aufmerksam machte sie aber schon 1983: Da kam in Frankreich ihr viertes Buch, "Der Platz", heraus, ein Porträt ihres Vaters, das, wie Ernaux selbst schrieb, "objektive Beweise" für seine Existenz liefern und auch ihre eigene Beziehung zu ihrem Vater beschreiben sollte. Der Hessischen Rundfunks hat den Roman gemeinsam mit Dem Audio Verlag (DAV) in ein Hörspiel verwandelt.

Annie Ernaux: Der Platz [3:55 Minuten]

Annie Ernauxs Werke sind stets autobiografisch. "Der Platz" beginnt mit Erinnerungen der Autorin. 1967 besteht sie ihre Prüfung als Gymnasiallehrerin. Zwei Monate später stirbt der Vater. Über das Leben ihres Vaters und die distanzierte Liebe zwischen ihm und ihr schreibt sie in sachlichem Ton – sie meint, dieser Ton werde dem Vater gerecht. Nicht nur das Leben und Weltbild des Vaters wird plastisch, sondern auch das Lebensgefühl einer Epoche.

Aufstieg und Entfremdung

Der Vater wächst in ärmlichen Verhältnissen in der Normandie auf. Er muss die Schule früh verlassen, arbeitet als Knecht und nach dem Ersten Weltkrieg in einer Seilerei. Dort lernt er seine zukünftige Frau kennen. Um der Armut zu entkommen, eröffnen sie ein Lebensmittelgeschäft und schaffen den mühsamen Aufstieg – immer mit der Angst, wieder in die Unterschicht abzurutschen. Die Tocher Annie soll die höhere Schule besuchen. Ein Klassenunterschied entsteht zwischen den beiden, denn die Tochter landet in genau der Welt, die auf den Vater herabgeblickt hatte.

Fazit

Ein gelungenes, tief berührendes Hörspiel. Sehr eindrucksvoll durch die Stimme von Stefanie Eidt.

Daten zum Hörbuch: Annie Ernaux: Der Platz. Aus dem Französischen von Sonja Finck. Hörspiel mit Stephanie Eidt. Hörspielbearbeitung und Regie: Erik Altorfer. Der Audio Verlag (DAV). 1 CD. 1 Stunde 18 Minuten. Unverbindliche Preisempfehlung: 14 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Juli 2020, 11:40 Uhr

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