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Hörbuch-Tipp

Serpentinen

31. März 2020

Das Buch "Auerhaus" vom deutschen Schriftsteller Bov Bjerg war ein großer Erfolg, und kein Wunder: Ein bewegendes und positives Buch über das Leben und das Sterben. Bjergs neuester Roman wirkt dabei fast wie ein Gegenentwurf. Ein richtig fieses, finsteres Buch. Depressionen, Selbstmörder, Unglück, Horror. Wer beim Lesen die Augen zumachen will, kann das jetzt: "Serpentinen" ist auch als Hörbuch erschienen. Florian Bänsch stellt es vor.

Ein richtig fieses, finsteres Buch. Depressionen, Selbstmörder, Unglück, Horror. Wer beim Lesen die Augen zumachen will, kann das jetzt: "Serpentinen" ist auch als Hörbuch erschienen.

Autor/-in: Florian Bänsch
Länge: 3:25 Minuten
Datum: Dienstag, 31. März 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Roadtrip zu zweit

Seine männlichen Vorfahren haben sich allesamt das Leben genommen. Der Urgroßvater: Namenlos. Selbstmord. Der Großvater: Namenlos. Selbstmord. Der Vater: Namenlos, Selbstmord. Die Frau: Namenlos, entfremdet. Der Sohn: Namenlos, "zurückgeblieben". Um diesen Sohn geht es in dieser Geschichte. Er ist mit dem eigenen Sohn im Auto unterwegs. Die Reise führt zurück in sein schwäbisches Heimatdorf, aus dem der Vater stammt. Sie besuchen die Schauplätzen seiner Kindheit. Eine Fahrt ins Ungewisse. Bov Bjerg erzählt vom Kampf eines Vaters, dem Ich-Erzähler, gegen die Dämonen aus der Vergangenheit. Er hofft, dass die Rückkehr ins Dorf und das Erinnern helfen.

Die Straße windet sich, führt von einem Rückblick in den nächsten. "Um was geht es?", fragt der Junge. Darum, alle Kurven dieser Straße mitzunehmen. Die Serpentinen. Der Junge ist neugierig, aber verständnislos im Angesicht der schweren Depression seines Vaters. Die Fahrt geht nicht da hin, wo man denkt. Bjerg ist nicht interessiert an dramatischen Gesten und Wendungen. Womöglich gab es beim Schreiben auch gar keinen Plan für das Ende. Der Autor will nur wissen, wo dieser Mann hingeht. Der Mann, der keinen Vater hatte, aber selbst Vater sein muss.

Der Junge sagte: An was ist der Opa gestorben? Er fixierte mich. Wollte mir unbedingt in die Augen sehen. Er blinzelte, sah kurz zur Seite, dann fixierte er mich wieder. Ich sagte: Er war krank. Der Junge war bald älter als ich damals. Er begann das Leben zu führen, dass ich nicht geführt hatte: Ein Leben mit einem lebenden Vater.

Fazit

“Serpentinen“ – Keine schöne Straße, keine schöne Aussicht. Aber was für ein Hörbuch. Lektüre ohne Milch und Zucker. Stattdessen: Schwarz und stark. Robert Stadlober liest den Text mit einer bitteren Note.

Infos:
Bov Bjerg: Serpentinen, gelesen von Robert Stadlober, RBB Kultur / Hörbuch Hamburg. 5 CD, 355 Min. Erscheint am 4.5.2020, 15,95 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. März 2020, 8:40 Uhr

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