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Die bessere Hälfte

2. Oktober 2018

Am glücklichsten, und am zufriedensten mit sich selbst, ist der Mensch nicht etwa mit 25, sondern mit über 60 – sagen die Altersforscher. Aber hinkommen muss man erstmal. Hin zur Lebensmitte, durch die Mid-Life-Crisis, und dann weiter. Alles halb so wild, sagen Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch. Im Hörbuch "Die bessere Hälfte“ nehmen die beiden Mediziner die zweite Lebenshälfte unter die Lupe und kommen zu dem Schluss: Man kann sich eigentlich nur darauf freuen. Florian Bänsch hat reingehört.

Cover: Die bessere Hälfte [Quelle: Der Hörverlag]
Eckart von Hirschhausen, Tobias Esch: Die bessere Hälfte, Der Hörverlag, 2018 [Quelle: Der Hörverlag]

Ich bin jetzt über dreißig, und drifte langsam, aber nur sehr langsam, in Richtung "Risikogruppe". Für diverse Gebrechlichkeiten und Leiden. Ah! Die Jugend schwindet! Das Leben ist vorbei! Keine Panik, sagen Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch. Das schlimmste am Älterwerden ist immer noch die Angst vor dem Älterwerden.

Altern hat ein schlechtes Image, weil wir unsere eigenen Großeltern vor den Augen haben, dabei haben die völlig anders gelebt als wir! Wir leben heute 10 Jahre länger, sind im Schnitt gebildeter, gesünder und körperlich fitter. Und: Reicher! An Geld – und an Möglichkeiten.

Ab 50 geht es bergauf

Im Schnitt ist der Mensch jetzt also gesünder und wird älter. Nun, schön, aber das hilft mir jetzt ja nicht. Doch Hirschhausen und Eschs Optimismus ist ansteckend. Sie sind guter Dinge. In fast jeder messbaren Größe, heißt es hier, trifft der Mensch den Tiefpunkt seiner Zufriedenheit vor dem fünfzigsten Lebensjahr. Und dann, plötzlich, geht es bergauf.

Wenn ich das mal alles beiseite nehme, die Erkrankungen, die wahrscheinlicher sind, der körperliche Abbau, und mal nur schaue: Wie geht’s denn eigentlich den Leuten? Wie fühlen die sich? Und plötzlich wenn ich das mache, feststelle: Die Zufriedenheit, die Lebensqualität, die steigt! Obwohl die körperlichen Symptome, die objektiven Symptome, eigentlich das Gegenteil bedeuten müssten.

Ankommen

Irgendwann findet im Kopf ein fundamentaler Wandel statt: weg von der Sorge, etwas schaffen und erreichen zu müssen. Hin zur Ruhe, an einem Ort angekommen zu sein, und dort bleiben zu dürfen. Zurückschauen zu können. Sorgen einfach mal Sorgen sein zu lassen. Selbst, wenn hier und da etwas weh tut.

Die Phase zwischen 60 und 85 ist länger als die Kindheit und Pubertät zusammen! Länger als die Ausbildungszeit, länger als die meisten Menschen in einem Job verbleiben. Warum ist diese lange Lebensphase für viele so eine Art schwarzes Loch? Sie ist kein Loch! Und auch nicht schwarz! Im Gegenteil, diese Zeit kann extrem erfüllend sein, gelassen, und bunt.

Gespräch unter Freunden

Beinahe kriegt man Lust drauf, wenn man diesem Gespräch zuhört. Und ein Gespräch ist es, viel mehr als ein Ratgeber. Ein Gespräch unter Freunden über ein Thema, das beide beschäftigt, und zwar nicht nur professionell. Der eine ist 51. Der andere 48.  

Und als mein Vater starb, hab ich dieses Gedicht zu seiner Trauerfeier zitiert, weil es mir plötzlich klar war: Ich hatte es immer vor Augen. Es war immer da. Und dieses Gedicht beschreibt in besonderer Weise meinen Vater, aber auch meine Mutter, als jemand die anpackt, und macht: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen. Die Sich über die Dinge ziehen. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen. Aber versuchen werde ich ihn.

Fazit

"Die bessere Hälfte" ist ein zutiefst positives Buch. Über etwas, das vielen Menschen große Angst macht. Aus der Angst eine Vorfreude machen – das ist die Aufgabe, die Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch sich mit diesem Hörbuch gegeben haben. Sie sind sehr überzeugend.

Die bessere Hälfte [3:27 Minuten]

Infos:
Hörbuch: "Die Bessere Hälfte – Worauf wir uns mitten im Leben freuen können", Dr. Med. Eckart von Hirschhausen, Prof. Dr. Med. Tobias Esch, Random House, 14,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Oktober 2018, 9:10 Uhr

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