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Hörbuch-Tipp

Spiritualität und Lebenskunst

8. Oktober 2019

Der prominente Benediktinermönch Anselm Grün beweist in seinen Büchern immer wieder, dass die christliche Religion philosophische und praktische Ideen hat, die helfen können, um in hektischen Zeiten innerlich zur Ruhe zu kommen. Eine Auswahl aus den zahlreichen Schriften Anselm Grüns ist jetzt als Hörbuch erschienen – gelesen von Herbert Schäfer. Kerstin Burlage stellt es vor.

Cover: Anselm Grün, Spiritualität und Lebenskunst, Argon Verlag [Quelle: Argon Verlag]
Anselm Grün, Spiritualität und Lebenskunst, Argon Verlag [Quelle: Argon Verlag]

Kerstin Burlage über "Spiritualität und Lebenskunst" [3:58 Minuten]

Alltag – das ist für viel: morgens schnell zur Arbeit, Termine nach Feierabend, Einkaufen, Putzen, Kinder versorgen, Arzttermin nicht vergessen, und so weiter und so fort… Wie soll man da noch Zeit finden, inne zu halten und sich spirituellen Dingen zu widmen? "Das geht" ist eine der Kernbotschaften von Anselm Grün. "Das ist Lebenskunst" sagt er auch – aber eine, die jeder Mensch lernen kann, und zwar indem er im Alltag das tut, was der Augenblick verlangt. Wie das gehen kann, davon handelt die CD, in deren Vorwort der Benediktinerpater klarstellt:

Die Beiträge in diesem Buch verstehen sich nicht als Forderungen sondern als Empfehlungen und als Anregungen, verschiedene Wege auszuprobieren. Und dann zu testen, welcher Weg gerade für mich in diesem Augenblick stimmt.

Anselm Grün

Spiritualität lernen

Spiritualität, so Anselm Grün, ist der Weg des Menschen zu sich selbst, zu seiner inneren Stimme, die da ist – selbst dann, wenn er sie kein bisschen wahrnimmt. Er kann es lernen durch das, was er eine "Spiritualität von unten" nennt.

Spiritualität von unten meint, dass Gott nicht nur in der Bibel und durch die Kirche zu uns spricht, sondern gerade auch durch uns selbst. Durch unsere Gedanken und Gefühle, durch unseren Leib, unsere Träume und gerade auch durch unsere Wunden und unsere vermeintlichen Schwächen.

Anselm Grün

Nach Innen schauen

Das bedeutet für den Pater, der sich unter anderem auf den Psychologen C.G. Jung bezieht, nach innen zu schauen, vielleicht sogar mit psychotherapeutischer Hilfe. Und dann zunächst alles anzunehmen, was dort ist – auch den eigenen Schatten:

Wir müssen uns damit aussöhnen, dass in uns nicht nur Liebe ist, sondern auch Hass, dass trotz allem religiösen und moralischen Strebens auch mörderischen Tendenzen in uns sind, sadistische und masochistische Züge, Aggressionen, Wut, Eifersucht, depressive Stimmungen, Angst und Feigheit.

Anselm Grün

Das wahre Selbst finden

Dabei auf Gott zu vertrauen heiße zu wissen, dass er gnädiger mit uns ist als wir selbst: Er hat uns schon längst verziehen. Diese Gewissheit, so Grün, kann dabei helfen, schließlich auch das zu finden, was unter dem Schatten und den Schuldgefühlen liegt: das wahre Selbst.

Dieser innere Kern, das wahre Selbst, ist eine kostbare Perle, ein wertvolles Gold. Wenn wir das gefunden haben, können wir alles andere loslassen. Dann brauchen wir uns nicht ständig um Anerkennung und Bestätigung zu bemühen. Wir sind ganz bei uns, in unserer Mitte.

Anselm Grün

Gelassenheit, Dankbarkeit und Zufrieden-Sein üben

Um mit dieser Mitte verbunden zu sein und zu bleiben, helfen schon kleine Dinge im Alltag, erklärt Anselm Grün. Dafür gibt er praktische Anleitungen – die übrigens den Lehren des Zen überraschend ähnlich sind. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Übungen in Gelassenheit, Dankbarkeit und Zufrieden-Sein:

Ich bin zufrieden mit dem Wasser, das ich trinke, mit dem Brot, das ich esse. Doch das bin ich nur dann, wenn ich das Wasser wirklich genieße, wenn ich es achtsam trinke und spüre, wie es meinen Durst löscht, wie beglückend es ist, frisches, klares Wasser zu trinken.

Anselm Grün

Achtsam sein

Achtsamkeit und Hingabe auch am Arbeitsplatz: sich jetzt Zeit zu nehmen und ihn wirklich wahrzunehmen – den Kollegen, der mich anruft, den Kuli, den ich in die Hand nehme, den Computer, den ich hochfahre:

Auch wenn er ein technisches Gerät ist, so zeigt er Dir etwas von der Weisheit Gottes, die in ihn hineingelegt wurde.

Anselm Grün

Zu diesem Im-Augenblick-Sein sollten nach Anselm Grün tägliche Rituale und Gebete kommen, die dabei helfen, sich selbst anzunehmen. Und nicht zuletzt auch regelmäßige Meditation – als ein Weg, um sich in Stille mit dem wahren Selbst im Innern zu verbinden.

Setze dich dabei ruhig hin und achte nur auf den einen Augenblick und auf das, was in diesem Augenblick geschieht. Du atmest ein und atmest aus. Du bist ganz im Augenblick.

Anselm Grün

Fazit

Anselm Grüns Texte verbinden religiöse Weisheit mit praktischer Lebenshilfe. Und Herbert Schäfer liest sie so, dass sie berühren und auch die eher theologischen Passagen lebendig klingen. So ist das Hörbuch "Spiritualität und Lebenskunst" ein guter Tipp für alle, die Spiritualität in ihren Alltag bringen möchten – praktisch und unaufgeregt.

Infos:
Anselm Grün: Spiritualität und Lebenskuns, Argon Verlag, 16,95 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Oktober 2019, 13:40 Uhr

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