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Die Morgenandacht

Martin Luther King - Vorbild damals und heute

7. April 2018, 6:53 Uhr

Pastorin Andrea Schneider [Quelle: Radio Bremen]
Pastorin Andrea Schneider

Ich erinnere mich noch gut: Anfang der 70er. Ein großes Schwarz-Weiß-Poster mit dem Portrait von Bürgerrechtler Martin Luther King hing in meinem Jugendzimmer. Über dem kleinen Tischchen und den Sitzmatratzen. Und oft saßen wir da zusammen in unserer Clique. Bei Kerze, Kräutertee und Kasettenrecorder: „We shall Overcome“. Es war die Zeit der langen Hänge-Haare und der Peace-Now-Anstecker an unsern Parkas.
Martin Luther King mit seinem „I have a Dream“  – er war unser „Idol“.
Aber heute – 45 Jahre später – immer noch aktuell?

Seit 5 Jahren gibt es in Berlin ein interessantes, multimediales Jugend-Projekt zu Martin Luther King und zu seinem Deutschland-Besuch 1964: Den „King-Code“. Zwei Lehrer von zwei Schulen aus Pankow und Wedding, also aus Ost- und Westberlin, haben es initiiert mit Schülerinnen und Schülern, mit und ohne Migrationshintergrund. Sie haben Dokumente gesammelt, Orte besucht, Zeitzeugen befragt. Eine Internetseite entstand und ein Film. Dieses wirklich grenzenüberschreitende Projekt ist unterdessen auch international beachtet, wurde für Preise nominiert. Die Schüler veranstalten z.B. King-Touren durch Berlin. Die jungen Reiseführer wollen andern weitergeben, was sie verstanden haben:

(O-Ton Schüler, 15 Sek., ASM, 6'45)
  „Vor diesem Martin-Luther-King-Projekt wusste ich gar nicht, dass die Welt so voller Rassismus überhaupt ist.“ „Wir, die heutige Jugend sozusagen, muss Geschichte schreiben.“ „Jeder sollte wissen, was Martin Luther King alles gemacht hat.“ „Er hat's halt auch ohne Gewalt geschafft.“

Im Jahr 2013 durften die King-Code-Spurensucher dabei sein, als der erste schwarze Präsident der USA, der unterdessen einen so anderen Nachfolger hat, Berlin besuchte. Gebannt hörten sie seine Rede:

(O-Ton Obama, overvoiced, und Schülerin 47 Sek., ASM 12'53)
„Wenn wir den Glauben der anderen achten, die in Kirchen und Synagogen, in Moscheen und Tempeln beten, dann befinden wir in größerer Sicherheit. Wenn wir die Einwanderer begrüßen, mit ihren Talenten und Träumen, dann werden wir erneuert. Das sind Überzeugungen, an die wir uns halten. Es sind Werte, die uns inspirieren. Prinzipien, die uns als freie Völker verbinden, die wir noch an die Worte von Dr. Martin Luther King jr. glauben, dass die Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort eine Bedrohung der Gerechtigkeit an allen Orten ist.“  „Na ja, das war schon sehr beindruckend, was er da gesagt hat. Also, dass wir eben alle zusammenhalten müssen, wie Martin Luther King halt, in seine Reden.“

50 Jahre nach Kings Tod gibt’s junge Leute aus seiner Enkelgeneration, die sich wünschen, (O-Ton Schülerin, 17 Sek., ASM 14:05):
„dass ich irgendwie auf ne Art bisschen was dazubeitragen kann, dass sich die Welt ein bisschen ändert. Das ist sozusagen mein Traum. Ich hoffe, es klappt. Ich hoffe es wirklich. I have a dream....“

Martin Luther Kings Traum – er  ist ansteckend auch heute. Beeindruckendes Beispiel aus diesen Tagen: „Der Marsch für unsere Leben“ in Washington. Hunderttausende, vor allem junge Leute auf der Straße. Gegen alltägliche Waffengewalt und untätige Politiker. Das macht mir Hoffnung. Auch in Zeiten von Trump & Co. Auch für uns hier.

Autorin: Andrea Schneider, Pastorin

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