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Die Morgenandacht

Hoch hinaus!

13. März 2018, 5:53 Uhr

Pastorin Wibke Winkler [Quelle: Bremische Evangelische Kirche, Frieder Wenzel]
Pastorin Wibke Winkler [Quelle: Bremische Evangelische Kirche, Frieder Wenzel]

Es gibt Menschen, die wollen hoch hinaus. Immer ein bißchen mehr als das, was gerade ist. Immer einen Schritt weiter. Die Bibel erzählt auch so eine Geschichte von einem, der hoch hinaus wollte.

Zachäus heißt der Mann. Und der hatte gehört, dass Jesus durch den Ort kommen würde, in dem er wohnte. Er war neugierig und wollte ihn unbedingt sehen. Allerdings war er da beileibe nicht der Einzige! Eine richtige Menschenmenge hatte sich am Straßenrand gebildet – und alle wollten Jesus sehen. Zachäus hatte nun einen großen Nachteil: Er war ziemlich klein.

Ich kann etwas anfangen mit diesem Problem. Ich bin selber nur einen Meter 57 groß. In Menschenmengen ist das meistens blöd. Auf Konzerten zum Beispiel. Da sehe ich einfach nicht viel. Nur Rücken, Schultern und Köpfe. Und da d‘rüber ein bißchen buntes Licht – selten mehr.

Was kann man da machen? Zachäus löst das Problem so: Er läuft der Menge ein Stück voraus und klettert auf einen Maulbeerbaum. Von dort hat er den Überblick.

Mir hat meine Freundin Christine mal einen solchen Überblick verschafft. Christine ist ca. eins 80 groß. Auf einem Konzert, wo wir waren, hat sie mich einfach mal hochgehoben. Nicht lange. Aber lange genug, dass ich gucken konnte. Was für eine Aussicht! Die Bühne, die Band, die Lichter… Und nicht lauter Rücken im Weg. Nein, dafür ein Meer aus Köpfen vor mir, und alle bewegen sich im Rhythmus. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, so hoch hinaus zu kommen, aber plötzlich war ich da. Und es war großartig!

Ein paar Sekunden später war ich wieder mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Mein kleiner Höhenflug war schnell vorbei, aber die Bilder haben mich lange begleitet. Und das Wissen: Da ist mehr, als ich sehe und es tut gut, manchmal einen Blick darauf zu erhaschen.

Und Zachäus auf seinem Maulbeerbaum? Sitzt da und guckt. Und sieht. Viel mehr als er sonst sieht. Vor allen Dingen sieht er Jesus. Und Jesus sieht ihn. Und er ruft ihn: „Komm runter. Ich will Dich zu Hause besuchen.“ Damit hat Zachäus wohl nicht gerechnet! Und er klettert runter. Steht wieder mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Er hat an diesem Tag eine ganz andere Sicht auf sein Leben gewonnen.

Autorin: Wibke Winkler, Pastorin

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