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Die Morgenandacht

Es kann nicht immer Sonntag sein

26. April 2019, 5:53 Uhr

Routine gibt Struktur. Alltag ist nützlich; und: Es kann nicht immer Sonntag sein.

Ingo Wilberding [Quelle: KGV Bremen]
Ingo Wilberding ist Erzieher in der Caritas Erziehungshilfe Bremen [Quelle: KGV Bremen]

„Ich geh fischen“, sagt Petrus in der Bibelstelle aus der Apostelgeschichte, die heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird.
„Ich geh fischen.“

Die Ereignisse der letzten Tage, die wir heute Ostern nennen, sind schon ein Stückchen her, nun geht es wieder in den Alltag. Die Jünger sind nicht mehr in Jerusalem, sie sind wieder in ihrer Heimat angekommen. Zurück auf Anfang, könnte man sagen. Petrus war schon immer Fischer. Bevor er Jesus kennen lernte, war es sein täglicher Broterwerb, Nacht für Nacht auf den See Genezareth raus zu schippern und die Netze auszuwerfen.

Tägliche Routine tut auch gut und gibt dem Leben Struktur. Außerdem muss ja etwas zu essen auf den Tisch und Geld verdient werden. „Ich geh fischen“
Aber es wird eine schlechte Arbeitsschicht – sie fangen nichts.

„Als sie zurück kamen, stand Jesus am Ufer“, heißt es. Er erscheint nicht, keine Wolke, kein Blitz, kein gleißendes Licht oder strahlendes Gewand: Er steht einfach da. Alltag eben. Anders herum ergibt sich daraus für mich heute eine Frage: Wie kann ich den Sonntag in meinen Montag hinüber retten?

Am Sonntag ist alles klar. In der Kirche, in den eigenen vier Wänden, natürlich spielt der Glaube eine Rolle in meinem Leben! Vielleicht gehe ich am Sonntag auch in die Kirche, ich höre Erzählungen aus der Bibel, feiere und singe mit den anderen Menschen zusammen, erlebe Gemeinschaft im Gottesdienst, beim Kirchenkaffee, beim Ausflug und habe so das Gefühl: Ja, Gott ist wirklich da.

Alles klar, wunderbar - und dann kommt der Montag.
Und mit ihm die Ahnung, dass mein Glaube vielleicht unbemerkt zu einem Sonntagsglauben geworden ist. Mir drängt sich die Frage auf, wie der Sonntag denn aussehen muss, damit auch der Montag zu seinem Recht kommt. Oder: Kommt mein Montag denn in meinem Sonntag schon vor?

Braucht es nicht eher ein Wort zum Montag statt eines Wortes zum Sonntag?
Wie gerne würde ich meinen Sonntag festhalten. Der Sonntag als DER Tag der Selbstbestimmung. Er ist es, der mein Leben besonders macht. Oder?

Der Sonntag ist ja kein Dauerzustand.
Gerade der Wechsel macht es aus. Menschen brauchen die Abfolge von Sonntagen und Wochentagen, damit beide Tage, beide Aspekte des Lebens zur Geltung kommen. Und gerade deswegen finde ich die Schriftstelle aus der Apostelgeschichte so gut.

Jesus ist im Alltag da. Und ist er auch noch so anstrengend und manchmal gar nicht von Erfolg gekrönt, er ist trotzdem da. Genauso wie am Sonntag. Mit weißem Gewand und strahlendem Licht – genauso wie in Arbeitskittel oder Krankenbett.

Die Mischung macht‘s!
In diesem Sinne: Kommen sie gut ins Wochenende und starten Sie danach gut wieder in den Alltag!

Es kann nicht immer Sonntag sein [2:54 Minuten]

Autor: Ingo Wilberding, Pädagoge

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. April.2019, 05:53 Uhr

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