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Imagekampagne für Lehrer? Wir brauchen einen Respekt-Pakt!

Ein Kommentar von Martin Busch

13. August 2019

Der Landeselternrat Niedersachsen verlangt eine Imagekampagne für den Beruf des Lehrers, weil so viele Stellen unbesetzt sind. Aber auch an die Pädagogen wenden sich die Elternvertreter: Diese sollten ihren Job positiver sehen. Im Vergleich zu anderen Landesbediensteten wie etwa Polizisten, die bei Einsätzen Gefahren auf sich nähmen, seien Lehrer gut gestellt. Bremen-Zwei-Redakteur Martin Busch kommentiert:

Illustration: Schüler beantworten Fragen im Matheunterricht. [Quelle: Imago, Ikon Images]
Aufzeigen, drankommen, antworten. Eigentlich könnte der Schulbetrieb doch so einfach sein [Quelle: Imago, Ikon Images]

Imagekampagne für Lehrer? Wir brauchen einen Respekt-Pakt! [2:20 Minuten]

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann habe ich die Lehrer am positivsten in Erinnerung, die kompetent und fair waren, zugleich aber eine gewisse Strenge ausstrahlten. Sie waren Autoritäten im besten Sinne. Diesem Lehrer-Typus tanzten wir nicht auf der Nase herum. Und das Schöne war: Man lernte bei ihnen am meisten. Eine Win-Win-Situation. Damals war noch nicht die Rede davon, dass Lehrer die Berufsgruppe mit dem höchsten Burnout-Anteil sind. Und Gewalt – ob verbal oder physisch – gegen sie hatte absoluten Seltenheitswert. Das ist heute leider anders. Deshalb brauchen Schulen in bestimmten Gegenden sogar Sicherheitsdienste, was ich tragisch finde.

Wird tatsächlich zu viel lamentiert, geklagt, wie der Landeselternrat-Vorsitzende in Niedersachsen meint? Ich denke: Als Pauker hast Du’s wirklich nicht leicht. Beispiel Konflikt: Wenn Lehrer heute im Klassenzimmer durchgreifen, laufen die Eltern gleich zur Schulleitung – wenn es eine gibt. Eltern mischen sich heutzutage in alles ein – zu Recht und zu Unrecht. Und wenn es zu keinem Gespräch mit dem Rektor kommt, muss die Lehrkraft mindestens damit rechnen, dass in der Eltern-WhatsApp-Gruppe intrigiert wird.

Warum verdienen Grundschullehrer so wenig?

Und der Verdienst? Ich finde, gemessen an den Anforderungen und der Verantwortung ist der nicht gerade überdimensioniert. Apropos: Grundschul-Lehrer müssen endlich genauso bezahlt werden wie die Kollegen an den weiterführenden Schulen. Ihr Job ist angesichts der Phase der Sozialisation, in der sich ihre kleine Kundschaft befindet, eher noch wichtiger. Und schon da wird erwartet, dass Schule als gesellschaftlicher Reparaturbetrieb fungiert. Doch das ist eine heillose Überforderung. Sie kann nicht komplett kompensieren, was zu Hause versäumt wird. Daran wird eine Imagekampagne auch nichts ändern.

Mehr Respekt!

Wenn es eine Kampagne geben sollte, dann müsste sie thematisieren, dass Lehrer respektvoll zu behandeln sind. Wer das Gefühl hat, in seinem Job respektiert zu werden, geht auch gerne hin. Dass die Zeit in der Schule keine Zeitverschwendung ist, weil ein Schulabschluss auch im 21. Jahrhundert die Eintrittskarte in die Gesellschaft darstellt, müsste in dieser Kampagne definitiv auch auftauchen. Nicht jeder wird ein YouTube-Star. Daher ist der Digital-Pakt an den Schulen erst der zweite Schritt. Der erste lautet Respekt-Pakt! Dann wollen sich auch wieder mehr vor die Tafel stellen. Oder das interaktive Whiteboard.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. August 2019, 8:38 Uhr

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