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"Meyer-Heder kann CDU aus Tief führen"

Ein Kommentar von Karl-Henry Lahmann

27. Juni 2019

Carsten Meyer-Heder machte die CDU zwar erstmals zur stärksten Kraft im Bremer Landesparlament, doch für den Einzug ins Rathaus reicht es wohl nicht. Alle Zeichen weisen derzeit Richtung Bildung einer rot-grün-roten Koalition. Meyer-Heder stellt sich heute Abend beim CDU-Landesparteitag zur Wahl als Landesvorsitzender. Eine gute Idee, kommentiert Karl-Henry Lahmann.

Carsten Meyer-Heder [Quelle: DPA, Michael Kappeler]
Carsten Meyer-Heder [Quelle: DPA, Michael Kappeler]

Kommentar von Karl-Henry Lahmann:
"Meyer-Heder ist der richtige Parteivorsitzende" [2:40 Minuten]

Nun also Parteihaus statt Rathaus. Carsten Meyer-Heder wird am 27. Juni aller Voraussicht nach zum Landesvorsitzenden der CDU gewählt. Gemessen am ursprünglichen Ziel des Politik-Neulings also Chef 2.0 – gewissermaßen. Das ist ohne jede Häme eine gute Entscheidung. Als Parteichef kann Meyer-Heder mit der neuen Rolle warm werden. Da kann er zu dem Politiker reifen, der er auf seinen Wahlplakaten noch ausdrücklich nicht sein wollte. Und der Problemlöser, als der er sich auf diesen Plakaten anpries, findet in der CDU reichlich Arbeit.

"Weltbild zerbrach – Sieger der Wahl und doch nicht Wahlsieger"

Denn diese Partei ist zutiefst verstört. Auch Meyer-Heder fuhr mit nur 26 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis ein. Sein Triumph ist nicht der des sagenhaften Erfolgs der CDU, sondern der über eine kollabierte SPD. Dennoch: Am Wahlabend vor einem Monat und einem Tag sahen sich die Christdemokraten bereits am Ziel ihrer jahrzehntelangen Träume: Die CDU stärkste Kraft in der Bürgerschaft. Die SPD pulverisiert. Eine FDP an der Seite, die mutmaßlich zu allem bereit ist, nur um mal wieder in den Senat zu dürfen.

Und Grüne nebenan, die den Wahlkampf über mit der Chance kokettierten, die schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition als Möglichkeit eines echten Wandels in Bremen nutzen zu wollen. Und dann, ja dann stellten diese Grünen der CDU am Ende kurzer, knackiger Sondierungsgespräche ziemlich kühl den Stuhl vor die Tür und marschierten Richtung Rot-Grün-Rot von dannen. Ein Weltbild zerbrach – Sieger der Wahl und doch nicht Wahlsieger.

"Meyer-Heder kann CDU unbeschadet aus Tief herausführen"

Da schlägt die Stunde Carsten Meyer-Heders. Ihm ist es zuzutrauen, die CDU davor zu bewahren, sich in hätte-wäre-aber-Diskussionen selbst zu zerfleischen und einen "Schuldigen" dafür zu suchen, dass es in den Sondierungen nicht funktioniert hat. Dabei helfen ihm sein Führungsstil, seine Art, auf Menschen zuzugehen, sein Team-Ansatz. Und dass er in den Untiefen vieler historisch angelegter innerparteilicher Grabenkämpfe keine Rolle spielt. Meyer-Heder kann die CDU unbeschadet und vielleicht sogar gestärkt aus diesem kollektiven psychologischen Tief herausführen und ihr zusätzlichen Schwung verleihen.

Der nächste Wahlkampf kommt bestimmt...

Zu beglückwünschen ist er auch für die Erkenntnis, sich nicht als Fraktionschef und Oppositionsführer in der Bürgerschaft anzubieten. Denn das fordert gerade keinen Problemlöser, sondern einen Problembenenner. Jemanden, der die Regierung mit Detailkenntnis und Wadenbeißer-Qualitäten vor sich hertreibt. Jemanden, der Freude am offenen Schlagabtausch und taktischen Winkelzügen hat. Sicher nicht den Carsten Meyer-Heder, den wir aus dem vergangenen Wahlkampf kennen.

Doch der nächste Wahlkampf kommt bestimmt. Und dann vielleicht auch wieder mit einem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder, der dann von sich behaupten kann, zu wissen, wie Politik funktioniert und auf was es dabei ankommt. Denn dazu lernen kann Meyer-Heder mit Sicherheit.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. Juni 2019, 8:45 Uhr

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