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"Der Ausverkauf des Bodens hat begonnen"

Ein Kommentar von Nikolas Golsch

17. April 2019

Boden ist begehrt – seit einigen Jahren steigen die Preise massiv an, in Niedersachsen haben sie sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das bringt viele Landwirte in der Region in Existenznot. Bremen-Zwei-Reporter Nikolas Golsch führt das zu Frage: Wie gehen wir mit unserem Boden um?

Ein Acker im Sonnenschein [Quelle: Imago, Chromorange]
Jeder will sein Stück Boden – die Preise dafür steigen seid Jahren massiv an. [Quelle: Imago, Chromorange]

Der Ausverkauf des Bodens hat begonnen. Pech für die Landwirte, mag sich manch einer denken, aber das ist zu kurz gedacht. Wenn finanzstarke Investoren auf den Bodenmarkt drängen und die Preise ins Grenzenlose steigen, sollte das uns allen Sorgen machen – weil wir alle früher oder später davon betroffen sind. 

Boden ist Teil unserer Lebensgrundlage

Ein gesunder Boden ist, genau wie Wasser oder Luft, Teil unserer Lebensgrundlage – ohne fruchtbare Böden wären die Regale im Supermarkt leer. Deswegen sollte das, was Menschen mit Grund und Boden anstellen, auch uns allen dienen.

Das tut es, wenn Landwirte darauf Obst und Gemüse anbauen und von dem Gewinn ihren Betrieb und damit auch die Böden unterhalten können. Das tut es nicht, wenn Investoren damit spekulieren, um mit immer höheren Pachtpreisen Profit zu machen und damit Landwirte zum Aufgeben zwingen. 

Ein junger Mann in blauem Anzug schaut in die Kamera. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Nikolas Golsch: "Viele Probleme mag man vertagen können – dieses nicht." [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Boden ist die Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft, die sich ein Großteil der Bevölkerung wünscht. Was mit den ländlichen Flächen passiert, entscheidet maßgeblich darüber, welche Landwirtschaft wir in Zukunft haben werden. Kleine und mittlere Betriebe, die vor Ort wirtschaften – im besten Fall in Zukunft ökologischer als heute – oder Großbetriebe, die Monokulturen anbauen und kleine Bauern vom Markt verdrängen.

Die Zeit drängt

Agrarministerin Julia Klöckner, CDU, bekennt sich zwar in Sonntagsreden gern zu kleinbäuerlichen Betrieben. Wenn es in Brüssel dann aber um die Weichenstellung zur gemeinsamen Agrarpolitik geht, kuscht sie vor jenen, die mit Zahlungen nach dem Gießkannenprinzip vor allem den Großbetrieben Geld zuschustern. Notwendig wäre es, stattdessen eine Umverteilung der EU-Subventionen anzustoßen, von der dann kleine Betriebe mit wenig Fläche profitieren. Verantwortung tragen aber auch die Landesregierungen, die es – mit Ausnahme von Baden-Württemberg – bisher nicht geschafft haben, Gesetzeslücken zu schließen, die den Ausverkauf des Bodens antreiben.

Viele Probleme mag man vertagen können – dieses nicht. Denn wenn Boden einmal verödet ist oder Landwirte aufgegeben haben, dann ist es zu spät.

Themen-Schwerpunkt:
Wem gehören unsere Böden?

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. April 2019, 10:10 Uhr

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