Livestream

Bremen Zwei Rubriken Der Kommentar

Der Kommentar

Jacobs University: schließen oder verstaatlichen?

Ein Kommentar von Kai Schlüter

24. Juni 2020, 9:40 Uhr

Die weltoffene Stadt Bremen ist ein idealer Heimatort für die internationale Jacobs University – so steht es auf der Internetseite der Universität. Die Stiftung der Jacobs University will sich offenbar aus der Finanzierung zurückziehen, ein weiterer Schlag für die ohnehin finanziell nicht besonders sicher dastehende Privathochschule. Weitere Verluste gab es durch die Einbrüche bei den Studiengebühren, weil wegen der Pandemie weniger ausländische Studenten kommen. Schließen oder verstaatlichen? Kai Schlüter kommentiert.

Schild der Jacobs University Bremen [Quelle: Jacobs University Bremen]
Schluss mit staatlichen Finanzspritzen für die private Jacobs University Bremen! Das fordert Kai Schlüter in seinem Kommentar. [Quelle: Jacobs University Bremen]

Kommentar: Jacobs University verstaatlichen! [2:34 Minuten]

"Das ist der Motor für das Land", sprach vor 21 Jahren Henning Scherf, Bremens damaliger Bürgermeister. Und er sprach von der privaten Jacobs University, die damals bei der Gründung International University Bremen hieß.

Deregulierung war der Zug der Zeit. Von der Müllabfuhr über die Deutsche Bahn bis zu Krankenhäusern und Gefängnissen: Alles sollte privatisiert werden, weil der globalisierte Markt ein besserer Betreiber schien als der Staat.

Und in Bremen rangen sich die regierenden Sozialdemokraten dazu durch, eine private Universität aufzubauen. Private Stifter aus dem wohlhabenden Bremen sollten so viel Stiftungskapital zusammenbringen, dass aus dessen Zinsen der laufende Betrieb bezahlt werden könnte. Die staatliche Universität sollte durch die private Konkurrenz auf Trab gebracht werden. Und in Bremen-Nord, das noch immer unter der Schließung der Werften litt, sollten hunderte hochmoderne Arbeitsplätze entstehen, samt Technologietransferzentrum und High Tech-Firmen rund um die neue Universität.

Finanzierung war nie gesichert

Doch der Motor für das Land stotterte von Anfang an. Es fanden sich nicht genügend Stifter für einen ausreichenden Kapitalsockel. Dann platzte die Immobilienblase; die Globalisierung konnte ihr Glücksversprechen nicht einlösen. Und es kam die Bankenkrise; auch Stiftungskapital wirft seither keine Zinsen mehr ab. Die Folge: Die Privatuniversität musste ihr Stiftungskapital für den laufenden Betrieb aufzehren. Aber selbst das reichte nicht. Immer wieder musste der Bremer Senat Geld nachschießen. Stets war es nur das eine Mal, das letzte Mal oder das allerletzte Mal. Und immer hieß es, das gehe nicht zu Lasten der staatlichen Universität und der Hochschulen des Landes.

Fass ohne Boden

Jetzt ist es wieder so weit. Der Motor für das Land stottert erneut. Und es sieht nach Motorschaden aus. Vielleicht noch drei Monate, dann ist die Jacobs University insolvent, pfeift es von den Dächern.

Es ist richtig, wenn der Senat dieses Mal klar "Nein" sagt und nicht noch ein allerallerallerletztes Mal Geld nachlegt. Eine Privatuniversität ist unter den gegebenen Voraussetzungen eben nicht der Motor für das Land, sondern ein Fass ohne Boden. Die Jacobs University muss geschlossen oder der staatlichen Universität Bremen angegliedert werden. Ein Dahinsiechen mit staatlichen Krediten und Steuergeldern und dem falschen Türschild "Privatuniversität" ist keine Perspektive für die Studierenden, die Lehrenden, den Stadtteil und die Steuerzahler. Der Motor für das Land hat ausgedieselt. Er muss auf einen anderen Antrieb umgerüstet werden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Juni 2020, 9:40 Uhr.

Bremen Zwei
Mehr zur Beitragsreihe "Der Kommentar"