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Buch-Tipp

Die Welt zwischen den Spiegeln

Das erstaunliche Kaleidoskop des David Brewster

21. Januar 2019

Beim Blick durch ein Kaleidoskop entstehen immer wieder neue bunte Bilder. Was heute ein Spielzeug ist, das war vor 200 Jahren, als es ein schottischer Physiker erfand, eine Sensation. Eine echte Medienrevolution, die unser Sehen und unser Verständnis der Welt ins Wanken gebracht hat, schreibt Stephan Cartier in seinem Buch.

Cover: Die Welt zwischen den Spiegeln [Quelle: Kulturverlag Kadmos Berlin]
Stephan Cartier: Die Welt zwischen den Spiegeln, Kulturverlag Kadmos, 2018 [Quelle: Kulturverlag Kadmos Berlin]

Stephan Cartier: Die Welt zwischen den Spiegeln [4:42 Minuten]

Auf das Kaleidoskop sei er mehr aus Zufall gestoßen, erzählt Stephan Cartier. Er wollte ein Objekt untersuchen, und sehen, "wie dessen Wanderung durch die Geschichte und die Ideengeschichte etwas über die jeweilige Zeit aussagt".

Entdeckung vor 200 Jahren

Anfang des 19. Jahrhundert begann man, sich mit optischen Täuschungen zu beschäftigen. Der schottische Physiker Sir David Brewster (1781–1868) experimentierte mit Licht und Spiegeln. Dabei entdeckte er die Lichtstrahlen-Reflexionen im Glas und die bunten Bilder, die dabei entstanden. Damit war das Kaleidoskop geboren.

Er erkannte sofort das wahnsinnig große Potential dahinter und es gab eine Explosion an Interesse an diesem ganzen Ding.

Stephan Cartier

Ein anderer Blick auf die Welt

Überall auf der Welt war der Blick durch ein Kaleidoskop eine nie dagewesene Sensation, "in Paris, in London, in Berlin, in Übersee – überall wollten um 1819 Menschen durch ein Kaleidoskop gucken." Und gleichzeitig war die Erfindung mit einem grundsätzlichen Zweifel an der Welt verbunden, erklärt Stephan Cartier:

Man sieht, dass, was man sieht zwar schön ist – aber es ist komplett gemacht. Es ist erfunden. Und vielleicht ist das mit dem Rest der Welt auch so. Und das brachte diesen Zweifel in die Welt.

Stephan Cartier

Es gab eine ganze Reihe von sogenannten "philosophical Toys", die seit Anfang des 18. Jahrhunderts sehr beliebt waren. Das waren Spielzeuge, die wissenschaftliche Ereignisse demonstrierten und Anlass zu philosophischen Fragen gaben.

Bedeutung aus heutiger Sicht

Stephan Cartier [Quelle: Radio Bremen]
Stephan Cartier

Auf den Spuren des Kaleidoskops fragte sich Cartier: Was ist virtuell? Was ist unsere Welt? Es gebe Berichte darüber, dass Leute, die mit dem Kaleidoskop durch die Welt gingen, gegen Mauern gelaufen seien. "Das erinnerte mich automatisch an dieses Phänomen, das wir ja auch kennen: Leute starren auf ihr Handy und laufen irgendwo gegen." 

Infos:
Stephan Cartier: Die Welt zwischen den Spiegeln. Das erstaunliche Kaleidoskop des David Brewster – eine Ideengeschichte, Kadmos Verlag 2018, 160 Seiten, 19,90 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Januar 2019, 14:10 Uhr

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