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Buch-Tipp

Valentin

22. Oktober 2019

Im Bremer Verlag "Golden Press" ist gerade ein Buch zur Geschichte des U-Boot-Bunkers Valentin erscheinen. Es ist nicht das erste zu diesem Thema – und doch das erste seiner Art: ein Comic über die ehemalige Baustelle des Bunkers, auf der bis 1945 Kriegsgefangene schuften mussten. Gezeichnet hat ihn der Bremer Autor Jens Genehr. Bremen-Zwei-Reporterin Kerstin Burlage hat den Zeichner vorab getroffen und mit ihm über "Valentin" gesprochen.

Cover: Jens Genehr, Valentin (Comic), Golden Press [Quelle: Golden Press]
Jens Genehr, Valentin (Comic), Golden Press [Quelle: Golden Press]

Jens Genehr: Valentin [3:41 Minuten]

Jens Genehr ist mit der Geschichte des U-Boot-Bunkers Valentin sehr vertraut. Der 29-Jährige macht hier schon seit Jahren ehrenamtlich Führungen und Seminare. Weil er immer gern gezeichnet hat, entstand irgendwann die Idee, die Geschichte des Bunkers zu zeichnen. Er wollte mit eigenen Bildern zeigen, wie Tausende von Zwangsarbeitern hier von 1943 bis 1945 unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten, um ein Vorzeigeprojekt der Nazis aus dem Boden zu stampfen.

Zwei Biografien miteinander verwoben

Cover: Jens Genehr, Valentin (Comic), Golden Press [Quelle: Golden Press]
Jens Genehr, Valentin (Comic), Golden Press [Quelle: Golden Press]

Schwarz-weiß sind diese Zeichnungen geworden – gebunden zu einem 230 Seiten dicken Comic. Darin werden die Biografien zweier Hauptpersonen miteinander verwoben: Zum einen die des KZ-Häftlings Raymond Portefaix, der als Jugendlicher aus einem französischen Dorf nach Farge verschleppt wurde. Die Zwangsarbeit dort hat er in seinem Tagebuch beschrieben. Und zum anderen die Geschichte des Fotografen Johann Seubert, der für die Nationalsozialisten den Bau des Bunkers dokumentiert hat.

Es gibt über 900 Fotos, die Johann Seubert in dieser Zeit hier gemacht hat. Die sind alle hier in unserem Archiv. Und es ist dann immer noch mehr dazu gekommen! Ich bin ins Staatsarchiv gegangen, habe die Entnazifizierungsakte von Seubert und seiner Frau ausheben lassen.

Jens Genehr

Durch seine gründliche Recherche und die Fotos konnte Jens Genehr ein sehr realistisches Setting zeichnen – das er um die Bilder in seinem eigenen Kopf ergänzt hat.

Ich verarbeite da meine Perspektive auf die Geschichte dieses Ortes und mache sie dadurch teilbar und auch streitbar.

Jens Genehr

Und das bringt das Überleben im Arbeitslager, so wie es tatsächlich gewesen sein könnte, sehr nah an die Lesenden heran: die täglichen Demütigungen, den Hunger, das Ungeziefer, die Lebensgefahr, die Angst. All das wird plötzlich greifbar.

Eigentlich findet Geschichte nicht in der Vergangenheit statt, sondern es ist die Gegenwart und das, was wir daraus machen. Wie wir das repräsentieren.

Jens Genehr

Lesung: 22. Oktober, Bunker Valentin, 18 Uhr

Jens Genehr geht mit seinem Comic auf Lesereise und wird ihn auch im Rahmen der Globale vorstellen: Seine Bilder werden hier im Bunker an die Wand projiziert. Dazu gibt es Live-Musik der tschechischen Band Thomas Palucha – wie genau, wird erst kurz vorher festgelegt.

Infos:
Jens Genehr: "Valentin“, Golden Press, 230 Seiten , Hardcover, 32 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. Oktober 2019, 8:20 Uhr

Globale 2019
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