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Buch-Tipp

Unsichtbare Frauen

10. Februar 2020

Die Temperatur in Büros ist standardmäßig auf Männer ausgelegt, Autos sind für Männer gestaltet: Die britische Autorin zeigt, wie eine von Männern gemachte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert und welche Folgen die Gender Data Gap, also die geschlechterbezogene Datenlücke, haben kann.

Die Temperatur in Büros ist standardmäßig auf Männer ausgelegt, Autos sind für Männer gestaltet und Arbeitsflächen in Küchen sind zu hoch designt. Die britische Autorin zeigt, wie eine von Männern gemachte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert und welche Folgen die Gender Data Gap, also die geschlechterbezogene Datenlücke, haben kann.

Autor/-in: Ziphora Robina;Tom Grote
Länge: 3:31 Minuten
Datum: Montag, 10. Februar 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Mann als Maßstab

Auch wenn der Titel "Unsichtbare Frauen" pauschal klingt: es gibt tatsächlich viele Datenlücken, wenn es um Frauen geht. In der Forschung galt lange "der Mann" als Maßstab. Die Schlussfogerungen wurden auf die gesamte Bevölkerung angewandt. Das betrifft alle Lebensbereiche, die Beispiele reichen von "nervig, aber harmlos", über "maßlos ungerecht" bis zu "lebensbedrohlich für Frauen".

So wird bei den Tests für die Sicherheitsstandards von Autos am "Durchschnittsmann" getestet: Die Puppen, die für die Unfallsimulation genutzt werden, die Crash-Test-Dummys, haben männliche Durchschnittswerte: 76 Kilo, 177 Zentimeter groß. Auch medizinische Erkenntnisse sind fast nie repräsentativ, weil die Probanden größtenteils männlich sind. Und das kann fatale Folgen bei der Therapie von Frauen haben.

Das Thema Ungleichheit

Doch es gibt zumindest einige Studien, die sich gezielt damit befassen, wo es denn genau an Daten fehlt. Melinda Gates und Hillary Clinton zum Beispiel versuchen, die Datenlücke zu schließen. Die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie verlangt eine schriftliche Erklärung, wenn Studien nur ein Geschlecht einbeziehen. Gäbe es mehr Frauen in führenden Positionen, mehr Politikerinnen und Professorinnen, dann würde sich die Datenlücke schließen. Nicht, weil die Frauen es besser können als Männer, sondern weil sie einfach andere Dinge im Blick haben. Deshalb fordert die Autorin: Frauen müssen in allen Bereichen sichtbarer werden.

Eine Empfehlung für? 

Es ist ein Buch für Alle, nicht nur Feminist*innen. Es erweitert den Blick ungemein. Es gibt noch viel zu tun, um die Welt gerechter zu machen.

Infos:
Caroline Criado Perez: Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert, btb, 496 Seiten, 15 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Februar 2020, 9:40 Uhr

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