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Buch-Tipp

Der traurige Gast

11. Januar 2019

Der Autor Matthias Nawrat hat in den vergangenen Jahren viel Beachtung für seine Romane bekommen und schon diverse Preise erhalten hat, unter anderem den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2016. In seinem neuesten Buch geht es um Zufallsbegegnungen im Berliner Alltag. Ein namenloser Protagonist stellt Fragen nach dem Wesen des Menschen, dem Leben und dem Tod. Kerstin Burlage stellt das Buch vor.

Matthias Nawrat ist ein polnischstämmiger Autor aus Berlin, der in den vergangenen Jahren für seine Romane viel Beachtung bekommen und schon diverse Preise erhalten hat, unter anderem auch den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2016. In seinem neuesten Buch geht es um Zufallsbegegnungen im Berliner Alltag. Ein namenloser Protagonist stellt Fragen nach dem Wesen des Menschen, dem Leben und dem Tod.

Autor/-in: Kerstin Burlage;Steffi Pesch
Länge: 4:58 Minuten
Datum: Dienstag, 22. Januar 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Radio Bremen: Worum geht es in "Der traurige Gast"?

Kerstin Burlage: Ein in Berlin wohnender namenloser Protagonist trifft auf ganz unterschiedliche Menschen, bei denen er zu Gast ist und von denen er sich ihre Geschichten erzählen lässt. Er beschreibt, wie er diese Gastgeber erlebt und was er selber dabei fühlt. Und er beschreibt auch die Stadt, in der er lebt und in der er sich manchmal auch wie ein Gast fühlt.

Radio Bremen: Was sind das für Geschichten, die der Erzähler erfährt?

Kerstin Burlage: Sehr oft traurige, sogar abgründige Geschichten von Menschen, die ihr Inneres nach außen kehren. Er trifft zum Beispiel eine Architektin, die vor langer Zeit aus Polen nach Deutschland ausgewandert ist und jetzt unter ihrer Familiengeschichte leidet und sich in ihrer Wohnung eingeigelt hat. Er trifft einen rumänischen Schauspieler, der beinahe von Jugendlichen umgebracht worden wäre. Diesen und anderen Menschen hört er zu und leidet mit ihnen – hat ein Gefühl zwischen Empathie und Überforderung. Die Charaktere erscheinen sehr plastisch. Der Erzähler beschreibt sehr genau, wie sie aussehen und überaus lebendig, welche Gefühle sie bei ihm auslösen.                   

Radio Bremen: Das klingt nach einem eher traurigen oder zumindest ernsten Buch?    

Kerstin Burlage: Ja, es ist aber auch ein spannendes und philosophisches Buch. Die Geschichten enthalten die großen Fragen der Menschheit: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wie meistern wir unser Zusammenleben?

Radio Bremen: Ein empfehlenswertes Buch?

Kerstin Burlage: Es liest sich nicht einfach so weg, ist aber dennoch toll erzählt. Das ist eben auch ein Verdienst dieses Buches: es hat Tiefe und stellt Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Und ich fand schön, dass trotz all dieser ernsten Gedanken, die das Buch enthält, immer wieder durchscheint, dass Vertrauen, Hoffnung oder Liebe menschliche Stärken sind, die genauso zur Wirklichkeit gehören.

Infos:
Matthias Nawrat: "Der traurige Gast", Rowohlt Verlag, 300 Seiten, 22 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. Januar 2019, 13:10 Uhr

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