Livestream

Bremen Zwei Rubriken Neue Bücher

Buch-Tipp

Stella

14. Januar 2019

Der zweite Roman von Takis Würger spielt im Jahr 1942. Es geht um eine Jüdin, die in der NS-Zeit zur Verräterin wurde. Burcu Arslan stellt das Buch vor.

Cover: Tarkis Würger, Stella, Hanser [Quelle: Hanser Literaturverlage]
Tarkis Würger, Stella, Hanser [Quelle: Hanser Literaturverlage]

Takis Würger: Stella [5:14 Minuten]

Bremen Zwei: Worum geht es in dem Roman?

Burcu Arslan: In "Stella" geht es um Friedrich und Kristin. Die beiden begegnen sich in Berlin, als Friedrich, Schweizer und Sohn einer wohlhabenden Familie, nach Berlin kommt, um hier nach der Wahrheit zu suchen. Er will nämlich mit eigenen Augen sehen, was es mit den Gerüchten von deportierten Juden auf sich hat und ob die Deutschen tatsächlich so "stark" sind, wie alle behaupten. In einer Kunstschule trifft er auf Kristin, die ihn in die geheimen Jazz-Clubs der Stadt mitnimmt und ihm Wehrmachtsfunktionäre vorstellt. Friedrich und Kristin werden ein Paar – für Friedrich ist es die erste Beziehung. Was sich erstmal nach einer normalen Liebesgeschichte in anormalen Zeiten anhört, entpuppt sich als Geschichte, die weitaus tiefer geht, denn: Kristin heißt in Wirklichkeit Stella Goldschlag und ist eine Jüdin, die andere Juden, die im Untergrund leben, denunziert. Eine sogenannte Greiferin.

Bremen Zwei: Warum tut sie das?

Burcu Arslan: Das Ganze beginnt, als Stellas Eltern von der Gestapo entdeckt werden und anschließend in ein Gefangenenlager kommen. Auch sie selbst wird "entlarvt" und gefoltert. Sie geht mit der Gestapo einen Pakt ein: Verpfeift sie andere in der Stadt lebende Juden an die Gestapo und nennt den Aufenthaltsort, werden ihre Eltern und sie selbst nicht getötet und kommen nicht in ein Vernichtungslager.

Bremen Zwei: Stella Goldschlag hat tatsächlich gelebt. Ist das Buch ihre Lebensgeschichte?

Burcu Arslan: Nicht ganz. Stella Goldschlag hat zwar tatsächlich gelebt, aber der Autor verwebt Teile der echten Geschichte mit fiktionalen Handlungen und Geschichtssträngen. Das macht es umso unfassbarer: Eine Jüdin verbündet sich mit den Nazis, nur um Weiterleben zu können. So meint man, denn: Stella kann die Deportation der Eltern nur aufschieben, aber nicht verhindern. Die Eltern sterben, aber: Stella macht weiter. Warum, das weiß bis heute niemand. Die Juden nennen sie irgendwann "blondes Gift", denn Akten belegen, dass sie mehrere hundert Juden denunziert und verhaften lassen hat. In Berlin gab ungefähr 30 sogenannte "Greifer", die von der Gestapo angesetzt wurden, um untergetauchte Juden aufzuspüren.

Bremen Zwei: Wie hat Dir der Roman gefallen?

Burcu Arslan: Er hat mich gefesselt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Man fragt sich irgendwann, wie würde ich handeln? Was ist richtig und was falsch? Und vor allem: Wann wird man vom Opfer zum Täter? Der Autor Takis Würger schafft es, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuhalten. Auch wenn man ahnt, dass die Liebesgeschichte nicht als solche endet, wird man zum Schluss noch mal überrascht.

Infos:
Takis Würger: "Stella", Hanser-Verlag, 224 Seiten, 22 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Januar 2019, 13:40 Uhr

Bremen Zwei