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Buch-Tipp

Sinka Mensch

14. April 2020

Georgien ist in den vergangenen Jahren zu einem In-Reiseziel geworden. Immer mehr Urlauber machen sich auf den Weg in den Kaukasus, um das Land am Schwarzen Meer zu erkunden. Einen Eindruck davon, wie das Leben in der Hauptstadt Tiflis Ende des vergangenen Jahrhunderts aussah, gibt der Roman "Sinka Mensch" von Anna Kordsaia-Samadaschwili. Lisa-Maria Röhling hat ihn gelesen.

Buchcover Sinka Mensch [Quelle: Frankfurter Verlagsanstalt]
Anna Kordsaia-Samadaschwili: Sinka Mensch, Frankfurter Verlagsanstalt, 2020 [Quelle: Frankfurter Verlagsanstalt]

Anna Kordsaia-Samadaschwili: Sinka Mensch [3:31 Minuten]

Die Geschichte

Die Hauptfigur ist Aleksi Mensch. Ein Akkordeonmusiker und tragischer Romanheld, der mit einer zusammengewürfelten Truppe von Nachbarn, Verwandten und Freunden irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Tiflis lebt, darunter auch seine vermeintliche Enkeltochter, Sinka genannt. Die Geschichte liest sich über weite Strecken wie das Protokoll eines Kneipenabends, bei dem alle mit jedem Bier eine weitere Anekdote erzählen und man sich am Ende selbst ein Gesamtbild zusammen puzzeln muss. Wenn zum Beispiel Aleksis Freunde Data und Kotiko von ihren Erlebnissen im Krieg berichten, widersprechen sie einander ständig oder klären erst am Ende der Geschichte auf, dass sie gerade ziemlich viel erfunden haben. Dennoch lernt man einiges über das Leben in Georgien und vor allem die Eigenarten der Hauptstadt.

Mit ironischem Unterton

Aleksi Mensch ist eine tragische Figur: Er wächst als Waisenkind auf, muss sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der georgischen Hauptstadt Tiflis als Akkordeonspieler durchschlagen. Die Liebe seines Lebens stirbt nur einen Tag nach der heimlichen Hochzeit. Obwohl die Geschichte düster klingt, gelingt es der Autorin aber in kleinen erzählerischen Kniffen, das Ganze mit Humor umzudrehen.

Die Autorin

Anna Kordsaia-Samadaschwili gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen in Georgien. "Sinka Mensch" ist bereits ihr dritter Roman, nach "Schuschanik" und "Wer hat die Tschaika getötet?", und auch da ist sie immer sehr tief in die georgische Kultur und die Geschichte des Landes eingetaucht.

Fazit

Dieses etwas schräge Opa-Enkelin-Duo und der Erzählstil machen den Roman lebendig und lesenswert. Ein Buch zum Schmunzeln und weglesen.

Infos:
Anna Kordsaia-Samadaschwili:"Sinka Mensch", Übersetzung: Sybilla Heinze, Frankfurter Verlagsanstalt, 176 Seiten, 22 Euro

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. April 2020, 9:40 Uhr

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