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Krimi-Tipp

Das Erbe

7. November 2019

Es geht um Lügen, Schuld, Recht und Gerechtigkeit. Ellen Sandberg thematisiert die Rückgabe von einst jüdischem Besitz an die Nachfahren derjenigen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und dabei ihr Hab und Gut zurücklassen mussten. Eigentlich ein recht sperriges Thema, das Ellen Sandberg jedoch sehr lesbar verpackt hat. Gabriele Intemann stellt das Buch vor.

Es geht um Lügen, Schuld, Recht und Gerechtigkeit. Ellen Sandberg thematisiert die Rückgabe von einst jüdischem Besitz an die Nachfahren derjenigen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und dabei ihr Hab und Gut zurücklassen mussten. Gabriele Intemann stellt das Buch vor.

Autor/-in: Gabriele Intemann
Länge: 4:42 Minuten
Datum: Donnerstag, 7. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt: In der Gegenwart, im Jahr 2018, ist da vor allem Mona, eine Bauzeichnerin. Sie erbt völlig überraschend von ihrer Großtante Klara ein herrschaftliches Mietshaus mitten in München-Schwabing. Sie weiß selbst nicht, warum Klara ausgerechnet ihr das Haus hinterlässt. Alles, was sie erfährt ist, dass Klara ihr Testament erst kürzlich geändert hat und dabei gesagt hat: "Mona wird das Richtige tun". Was das Richtige sein könnte, das findet Mona erst allmählich heraus. Sie zieht in das Haus, in die Wohnung ihrer Großtante. Sie findet alte Briefe, spricht mit Nachbarn, engagiert eine Historikerin. So erfährt sie, dass das Haus einst der jüdischen Familie Roth gehört hat.

Die zweite Erzählerin ist die jugendliche Klara. Die wohnt 1938 mit ihren Eltern im Haus der Roths. Sie ist mit der Tochter der Roths, Mirjam, gut befreundet. Klara bekommt dann mit, wie ihr Vater das Haus der Roths kauft, weil die auswandern wollen. Eigentlich kann sich ihr Vater das als kleiner Beamter gar nicht leisten. Und auch Mirjam gibt ihr zu verstehen, dass die Juden, die auswandern wollen, ihren Besitz größtenteils weit unter Wert hergeben müssen.

Im Folgenden erfahren wir dann, was den Roths im Krieg und in der Nachkriegszeit passiert ist und welche Rolle Klara und ihre Familie dabei gespielt haben. Die Geschichte zeigt, wie schwer es für Nachfahren von Verfolgten des NS-Regimes ist, geraubtes Eigentum wiederzubekommen. Und es geht auf vielen Ebenen auch um menschliche Abgründe.

Die Autorin

Ellen Sandberg ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich die Münchner Autorin Inge Löhning. Sie ist manchem Krimileser vielleicht als Autorin der Fälle von Kommissar Dühnfort und seiner Kollegin Angelucci bekannt. Als Ellen Sandberg schreibt sie etwas, was sie und ihr Verlag "Spannungsroman" nennen, also, Krimis ohne Kommissar und mit starken Bezügen in die Vergangenheit, die Familiengeschichte der Protagonisten.

Fazit: Super geschrieben

Eine eindrucksvolle Geschichte, gerade durch ihren historischen Kern. Natürlich kann man vieles davon auch in Geschichtsbüchern nachlesen. Aber so anschaulich, so exemplarisch und eindrucksvoll kann das vermutlich nur Literatur.

Infos:
Ellen Sandberg: Das Erbe. Penguin Verlag, 512 Seiten, broschiert 15 Euro, Ebook 12,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. November 2019, 9:40 Uhr

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