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Regieren: Innenansichten der Politik

12. Februar 2019

Thomas de Maizière (CDU) war 13 Jahre lang Mitglied der Bundesregierung: als Kanzleramtschef, Verteidigungsminister und Innenminister. Im März 2018 wechselte er von der Regierungsbank als Abgeordneter für den Landkreis Meißen in den Bundestag. Jetzt hat Thomas de Maizière ein Buch geschrieben. Es beschäftigt sich mit der Frage, was gutes Regieren ausmacht.

Cover: Thomas de Maizière, Innenansichten der Politik, Herder [Quelle: Herder, NurPhoto/Emmanuele Contini]
Thomas de Maizière, Innenansichten der Politik, Herder [Quelle: Herder, NurPhoto/Emmanuele Contini]

Regieren: Innenansichten der Politik [4:41 Minuten]

Bremen Zwei: Finden Sie, dass Sie gut regiert haben?

Thomas de Maizière: Ich schreibe in dem Buch auch, wo ich Fehler gemacht habe, wo Stärken und Schwächen sind – aber, alles in allem, glaube ich schon.

Bremen Zwei: In Ihrem Buch vergleichen Sie die Arbeit eines Politikers mit der eines Tischlers. Ist Politik ein Handwerk, das jeder lernen kann?

Thomas de Maizière: Man braucht schon ein paar Fertigkeiten, deswegen habe ich diesen Vergleich gewählt. Ich habe ihn vor allem gewählt, weil ja jeder weiß, was ein Tischler macht. Aber was ein Minister den ganzen Tag über macht, wissen viele nicht. Das will ich versuchen zu beschreiben. Dazu gehört natürlich inhaltliche Überzeugung, aber auch die Fähigkeit zu führen, zu verhandeln, Disziplin zu üben, im Team zu arbeiten und all das, was Regierungshandwerk ausmacht.

Bremen Zwei: Politik ist doch auch immer ein Lernprozess? Oder wussten Sie immer sofort was zu tun war?

Thomas de Maizière: Nein, man lernt bis zum Schluss. (...) Ein Minister muss sich schon auskennen, aber er muss nicht der beste Sachbearbeiter in seinem Ressort sein. Er muss führen und steuern und nicht nur rudern.

Bremen Zwei: Ein Zitat von Goethe lautet: "Vom Handwerk kann man sich zur Kunst erheben. Vom Pfuschen nie." Gilt das auch für Politik?

Thomas de Maizière: (...) Zu glauben, man kann gut reden oder man ist intelligent und deswegen wird man ein guter Politiker – das ist es nicht. Man braucht viel Erfahrung. Bei Wahlsiegen und Wahlniederlagen lernt man viel. Wenn man schlecht verhandelt hat, lernt man viel. Wenn man schlecht vorbereitet in eine Sitzung gegangen ist, lernt man viel (...) Und daraus wächst dann eine Erfahrung, die auch in Krisen trägt.

Bremen Zwei: Bei welcher Entscheidung würden Sie heute sagen: Das ist mir überhaupt nicht gelungen?

Thomas de Maizière: Das kann ich so nicht sagen. Aber ich schildere in dem Buch zwei Ausnahmesituationen und Entscheidungen: (...) Wie geht man damit um, wenn Deutsche im Ausland entführt worden sind? Was macht man da mit den Entführern? Macht man einen Zugriff mit dem Risiko, dass die Geisel zu Tode kommt? Das sind solche schwierigen Entscheidungen. Da muss man in einer begrenzten Zeit, mit begrenzten Informationen eine Entscheidung treffen. Hinterher kommen alle Schlaumeier und hatten mehr Informationen (...). Ich werbe in dem Buch dafür, dass man Mut hat, solche Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie hinterher kritisiert werden, weil alle viel schlauer sind.

Bremen Zwei: Sie sind seit Jahrzehnten in der Politik tätig. Sie standen im Rampenlicht. Jetzt sind Sie "einfacher" abgeordneter. Fehlt Ihnen das "große" Regieren?

Thomas de Maizière: Am Anfang war es schon so, ein paar Wochen oder auch Monate, aber jetzt nicht mehr. Ich war so lange in Regierungen (...) 28 Jahre, das ist dann vielleicht auch mal genug. (...)

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Februar 2019, 08:10 Uhr

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