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Buch-Tipp

Pirouetten

4. Dezember 2018

Tilly Walden ist ein Shooting Star am amerikanischen Comic-Himmel: Die Texanerin ist gerade mal 23 und hat schon vier Graphic Novels veröffentlicht. Eine davon ist ihr autobiografischer Comic "Pirouetten". Kerstin Burlage hat Tilly Walden getroffen und mit ihr über das Buch gesprochen.

Tilly Walden ist ein Shooting Star am amerikanischen Comic-Himmel: Die Texanerin ist gerade mal 23 und hat schon vier Graphic Novels veröffentlicht. Eine davon ist ihr autobiografischer Comic "Pirouetten". Kerstin Burlage hat Tilly Walden getroffen und mit ihr über das Buch gesprochen.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 3:39 Minuten
Datum: Dienstag, 4. Dezember 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Ein chaotischer Haufen von Erinnerungen – das sei "Pirouetten" ganz am Anfang gewesen, erzählt Tilly Walden. Da hatte sie – in nur drei Monaten – zwar schon alles gezeichnet, was hinein sollte. Eine zusammenhängende Geschichte sei jedoch erst mithilfe ihrer Verlegerin daraus geworden. Die Zeichnungen seien sehr intuitiv entstanden – und außerdem unerwartet, sagt die Künstlerin: Im Studium wollte sie eigentlich nur einen lustigen kleinen Strip über ihre Eiskunstlauf-Vergangenheit zeichnen.

I startet and I thought: Oh my god, I can’t fit this all in a short comic!

Leben als Eisprinzessin

Eine Geschichte, die ja eigentlich so lang nicht sein kann – könnte man meinen, denn Tilly Walden ist erst 23. Doch sie hat mehr als die Hälfte ihres Lebens mit Eiskunstlauf verbracht. Schon als Fünfjährige beginnt sie, regelmäßig zum Training zu gehen – wie viele Mädchen in den USA, die den Traum haben, Eisprinzessinnen zu sein.   

Doch das bedeutet jeden Morgen um 4:00 Uhr aufstehen und noch vor der Schule trainieren. Und es bedeutet: Strenge Trainerinnen, Konkurrenz, schreckliches Makeup, viel zu dünne Kleidchen und beißende Kälte. Aber auch: Freiheit, ein Zuhause-Gefühl und der Rausch des Erfolgs – denn Tilly hat Talent.

Probleme jenseits des Eises

Jenseits der Eislaufhalle hat sie andere Sorgen, denn mit der Schule tut sie sich schwer und außerdem wird sie dort gemobbt. Sie versteht sich nicht gut mit ihrer Mutter. Als sie sich dann auch noch in ein Mädchen verliebt, ist das Chaos perfekt. All das verarbeitet Tilly Walden in "Pirouetten". Die temperamentvolle, zierliche Frau mit Kurzhaarfrisur und runder Brille schildert, wie das Zeichnen ihr auch geholfen hat, mit sich selbst ins Reine zu kommen:

Es war therapeutisch. Es war hilfreich und ich fühle mich heiler, weil ich das Buch gezeichnet habe. Eine Therapie im eigentlichen Sinne war es allerdings nicht – da bin ich dann doch zu einer Therapeutin gegangen, die mir geholfen hat, all das richtig aufzuarbeiten.

Leicht und eindrucksvoll

Vielleicht liegt es ja daran, dass die Autorin ihre Kindheit und Jugend wirklich aufgearbeitet hat: Der Comic ist nicht bedrückend. Die Geschichte hat Tiefe, manchmal Schwere – doch die Zeichnungen sind fein, luftig, zart und voller Bewegung. Die Gesichter der jungen Figuren erinnern oft an Mangas. Und auch die Farben wirken eher leicht: Tilly Walden hat auf Weiß ausschließlich Aubergine-Töne und Goldgelb zusammen gebracht. Eine ebenso unaufgeregte wie eindrucksvolle Komposition – zumindest beim Lesen. Die Autorin verrät, dass sie dabei etwas ganz Bestimmtes im Sinn hatte:

Das Eiskunstlauf-Kleid, das ich immer getragen habe, war violett und golden. Und ich habe es gehasst. Weil ich es so gehasst habe, habe ich es oft angeguckt und gedacht: Violett und gelb! Die schrecklichsten Farben der Welt! Und als ich dann drüber nachdachte, welche Farben ich für das Buch nehmen will, mussten es die sein.

Fazit

Mit "Pirouetten" ist Tilly Walden ein besonderer autobiografischer Comic gelungen: anrührend, mutig und voller Erkenntnisse – die nicht nur junge Leserinnen und Leser darin bestärken können, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – egal wie sehr es einen herumwirbelt.

Infos:
Tilly Walden: Pirouetten, Reprodukt Verlag, 400 Seiten, 29 Euro – aus dem Englischen von Sven Scheer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Dezember 2018, 11:40 Uhr

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